Mailand - Die Telecom Italia (TI), Großaktionär der Telekom Austria (TA), steht im Mittelpunkt der Gerüchteküche. Seit Konzernchef Roberto Colaninno zu Wochenbeginn bestätigt hatte, dass der ehemalige Schreibmaschinenbauer Olivetti die Beteiligung bei Telecom Italia von zurzeit knapp 55 Prozent auf rund 40 Prozent reduzieren will, ist der Teufel los. Die Tatsache, dass Olivetti Kasse machen will, lässt weitere Vermutungen aufkommen. Möglicherweise will Konzernchef Colaninno noch weitere Teile der TI verkaufen. Dem Vernehmen nach seien zwei US-Telekomkonzerne am europäischen Markt im Allgemeinen, an Italien im Besonderen interessiert. Erst kürzlich hat sich Colaninno in den USA aufgehalten, dementiert aber Trennungsabsichten. Ein feindliches Übernahmeangebot sei in Italien, wo ein Großaktionär 40 Prozent kontrolliere, nur schwer durchzuführen. Allerdings müssten die ausländischen Interessenten nicht gleich 100 Prozent der Telecom Italia übernehmen, sondern könnten sich vorerst mit zehn bis 15 Prozent begnügen, meinen Insider. Die Deutsche Telekom, die bisher immer als Bewerber Numero uno galt, soll sich hingegen auf die Mobilfunktochter TIM konzentrieren. Diese ist auch die eigentliche Perle, der Wachstumsträger von TI. Der erste Schritt für eine weitgehende Kooperation mit TIM und Deutsche Telekom wurde bereits durch ein Roamingabkommen getan. Weitere Schritte könnten bald folgen.

Der Telecom Italia würde ein Beteiligungsabbau bei TIM von zurzeit 64 bis zu 50 Prozent rund zehn Mrd. EURO (137,6 Mrd. S) in die Kasse bringen. Und diese hat der Konzern dringend nötig. Schließlich will er auch seine Beteiligung bei TA (29,8 Prozent) aufstocken. Um diese dann womöglich den Amerikanern zu verkaufen, wird spekuliert. (tkb, DER STANDARD, Printausgabe 8.2.2001)