Jerusalem - Nach dem Rücktritt des abgewählten israelischen Regierungschefs Ehud Barak als Chef der Arbeiterpartei steht den Sozialdemokraten eine lebhafte Debatte um die Nachfolge an der Parteispitze ins Haus. Vier Politiker gelten als mögliche Kandidaten für die Nachfolge des glücklosen Barak.
  • Avraham BURG: Der 45-jährige Politiker wurde im Jahr 1999 gegen den Willen von Ehud Barak mit großer Mehrheit zum Parlamentspräsidenten gewählt. Er gilt als innerparteilicher Gegner des abgewählten Regierungschefs, seit er sich einst abfällig über ihn geäußert hatte. Der ehemalige Anhänger der Friedensbewegung "Frieden jetzt" machte aus seinem Wunsch nie einen Hehl, Partei- und Regierungschef werden zu wollen. Nach Baraks Rücktritt am Dienstag schlug er jedoch Ex-Ministerpräsident Shimon Peres als Übergangs-Parteichef vor. Der tief religiöse und moderate Politiker ist stets mit der traditionellen Kopfbedeckung, der Kippa, zu sehen. Er war maßgeblich an der Einigung über Entschädigungszahlungen der Schweizer Banken an jüdische NS-Opfer beteiligt. Sein Vater Josef Burg war Chef der Nationalreligiösen Partei und diente als Minister in mehreren israelischen Regierungen.

  • Chaim RAMON: Der 50-jährige Innenminister gilt ebenfalls als innerparteilicher Kritiker Baraks mit Ambitionen auf den Chefposten in der Partei. Mitten im Wahlkampf kritisierte er die Entscheidung des abgewählten Regierungschefs, im ägyptischen Taba Friedensverhandlungen mit den Palästinensern aufzunehmen. In Baraks Regierung war er als Minister ohne Ressort zunächst verantwortlich für Jerusalem und die Parlamentsreform. Im August 2000 ernannte ihn Barak zum Innenminister. Diesen Posten bekleidete er bereits in der Regierung des ermordeten Regierungschefs Yitzhak Rabin. Der 50-Jährige galt als klassischer Aufsteiger in der israelischen Politik, bis Rabin Barak 1995 in die Politik holte und Ramons Höhenflug damit stoppte. Ramon wurde im Jahr 1984 in die Knesset gewählt und arbeitete von 1978 bis 1989 in der Parteispitze.

  • Shimon PERES: Der 77-Jährige gilt als Architekt des Osloer Friedensabkommens von 1993 und wurde dafür zusammen mit Palästinenserpräsident Yasser Arafat und Rabin mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Unter Barak diente er auf dem eher symbolischen Posten des Ministers für regionale Zusammenarbeit, nachdem er für seine Partei bereits Verteidigungs-, Außen- und Finanzminister sowie Ministerpräsident war. Peres wird das Stigma des ewigen Verlierers nicht los: Fünf Mal trat er als Kandidat für ein hohes Amt an und musste jedes Mal eine Niederlage einstecken: Bei der Präsidentschaftswahl im Juli unterlag er gegen den weithin unbekannten Moshe Katzav. Der 1996 von Benjamin Netanyahu aus dem Amt des Regierungschefs gejagte Politiker galt zuletzt als aussichtsreicher Gegner des konservativen Ariel Sharon, Barak wollte die Kandidatur aber nicht an ihn abtreten.

  • Shlomo BEN AMI: Der 57-jährige Außenminister gilt als "Taube" innerhalb der Arbeiterpartei. Bei den Friedensverhandlungen von Camp David spielte er ebenso eine Schlüsselrolle wie bei den jüngsten Gesprächen im ägyptischen Taba, wo er sich bis zuletzt für ein Friedensabkommen mit den Palästinensern einsetzte. Der kometenhafte Aufstieg des marokkanisch-stämmigen Historikers innerhalb der Arbeiterpartei drückte die Hoffnung der Sozialdemokraten aus, vermehrt sephardische Juden orientalischen Ursprungs als Wähler zu binden. Die Klientel der Arbeiterpartei sind traditionell aschkenasische Juden europäischen Ursprungs. Neben den Nahost-Friedensverhandlungen machte sich Ben Ami unter anderem einen Namen bei heiklen Verhandlungen in religiösen Fragen zwischen Christen und Moslems sowie beim Versuch, die israelische Polizei zu reformieren. (APA/AP)