Innsbruck/Rom/Brüssel - Die EU-Kommission verabschiedete am Mittwoch einen Vorschlag, wonach ab 1. April wegen der BSE-Krise die Wirbelsäule geschlachteter Rinder über zwölf Monaten nicht mehr in die Nahrungsmittelkette kommen darf. Das würde auch das "Aus" für das T- Bone-Steak bedeuten. Österreich, Finnland und Schweden, wo das BSE-Risiko als sehr gering eingestuft wird, sollen davon ausgenommen werden. Der Vorschlag muss noch von den EU-Agrarministern beschlossen werden.

EU-Agrarkommissar Franz Fischler zeigte sich wegen des anhaltend rückgängigen Rindfleischkonsums besorgt: Sollte sich das Konsumverhalten nicht ändern, sei EU-weit bis Jahresende mit 2,8 Millionen Tonnen unverkäuflichem und nicht entsorgbarem Rindfleisch zu rechnen. Die EU sei von einem Absatzrückgang von zehn Prozent ausgegangen. Derzeit würde aber um 30 Prozent weniger Rindfleisch gekauft. Zu stoppen sei diese akute Krise "nur mit essen", sagte Fischler in einem Stern-Interview.

Gegen Massenschlachtungen von Rindern sprach sich am Mittwoch die grüne Klubobfrau Madeleine Petrovic aus. "Die Vernichtung von gesunden Tieren" würden die Grünen "nicht zulassen". Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer sollte an einem runden Tisch einen Ausweg aus der Krise suchen. Petrovic forderte die Einrichtung einer Tieranwaltschaft.

In Tirol achten bereits 70 Prozent der Konsumenten vermehrt auf die Herkunft der Fleischprodukte. Das ergab eine aktuelle Umfrage der Grazer GMK im Auftrag der Tiroler Landwirtschaftskammer. Jeder Fünfte hat sein Essverhalten verändert, vor allem mittlere Altersschichten und Familien mit Kindern. 16 Prozent der Haushalte essen kein Rindfleisch mehr, sieben Prozent deutlich weniger.

Skeptiker

13 Prozent der Befragten in Tirol halten es für wahrscheinlich, dass Fleisch in heimischen Geschäften nicht BSE-frei ist, elf Prozent rechnen mit Fleisch von BSE-erkrankten Rindern auch aus heimischer Produktion. Bundesweit lag der Anteil der Skeptiker vor drei Wochen deutlich höher: 36 Prozent glaubten nicht an BSE-freies österreichisches Rindfleisch. Das ergab, wie berichtet, eine bundesweite Befragung im Auftrag des STANDARD - unmittelbar nach Auftreten des später nicht bestätigten BSE-Verdachts im Außerfern.

In Italien blockierten indes am Mittwoch lombardische Tierzüchter die Brennerautobahn auf der Höhe der norditalienischen Stadt Mantua, um gegen die ihrer Ansicht nach ungenügenden Regierungsmaßnahmen zur Bewältigung der BSE-Krise zu protestieren. Die Demo verursachte große Verkehrsprobleme. Autos mussten mehr als zwei Stunden lang umgeleitet werden.

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 2. 2001, (bs/neu/APA))