Zagreb - Erstmals hat ein kroatisches Gericht am Mittwoch eine Untersuchung wegen Kriegsverbrechen gegen ein Mitglied der militärischen Führung des Landes eingeleitet. Untersuchungsrichterin Sajonara Culina in Rijeka ordnete die Verhaftung des Generals Mirko Norac an. Er steht in Verdacht, während des kroatischen Sezessionskrieges 1991 in der mehrheitlich von Serben bewohnten Kleinstadt Gospic ein Massaker an Zivilisten ausgeführt zu haben. Die frühere kroatische Regierung des verstorbenen Präsidenten Franjo Tudjman war bei der Verfolgung kroatischer Kriegsverbrecher äußerst zurückhaltend und führte einige Verfahren nur nach erheblichem internationalen Druck durch. Die neue reformorientierte Regierung hat die Verfolgung von Kroaten begangener Kriegsverbrecher intensiviert und seit September allein sechs Personen verhaften lassen, die in das Massaker von Gospic verwickelt sein sollen. Rund 100 Menschen, 60 Serben und 40 Kroaten, wurden Ende 1991 in dem südkroatischen Ort verschleppt und verschwanden spurlos. Es wird vermutet, dass ihre Leichen in den Wäldern um Gospic verscharrt wurden. (APA/AP)