Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP), als Ländervertreter Mitglied im ORF-Kuratorium, hat sich am Donnerstag vehement gegen eine Vorverlegung der Generalintendantenwahl im österreichischen Rundfunk ausgesprochen. FPÖ-Klubobmann und ORF-Kurator Peter Westenthaler hatte am Mittwoch mit der Ankündigung, die Führung des öffentlich-rechtlichen Senders solle noch im Herbst des Jahres neu geordnet werden, für Turbulenzen und überwiegende Ablehnung gesorgt. ORF-GI Gerhard Weis, dessen Amtsperiode noch bis 2002 läuft, erfülle seine Aufgaben objektiv. Es gebe keine sachlichen Gründe, ihn vorzeitig abzuberufen, "was einem Vertrauensentzug gleichkommen würde", so Pühringer. "Parteipolitisch motivierte Aktionen lehne ich persönlich ab, kritische Diskussionen über Verbesserungsmöglichkeiten darf und muss es aber zu allen Zeiten geben." Khol: "Großes Missverständnis" VP-Klubobmann Andreas Khol schließt ein Vorziehen der Generalintendanten-Wahl im ORF aus. Gegenüber dem "Neuen Volksblatt" vom Freitag meinte er, die Funktionsperiode der jetzigen Geschäftsführung laufe erst im Oktober aus. Ausgelöst worden war die Diskussion durch FP-Klubchef Peter Westenthaler, der sich für eine Neuwahl des GI schon im kommenden Herbst ausgesprochen hatte. Westenthaler beschreibe nur Status quo In diesem Zusammenhang spricht Khol von einem "großen Missverständnis". Nach geltendem ORF-Gesetz müsse schon heuer im Herbst der Bestellungsvorgang für die neue ORF-Geschäftsführung beginnen. Dann müssten der Generalintendant und alle Intendanten ausgeschrieben werden, da der Bestellungsmodus über eine halbes Jahr brauche. Mit seiner Ansage, dass schon im Herbst eine neue Geschäftsführung bestellt werden müsse, beschreibe Westenthaler also nur den "status quo". Zum Termin der Beschlussfassung des neuen ORF-Gesetzes wollte sich Khol nicht festlegen. Er glaube aber, dass dies noch vor der Ausschreibung sein werde. Allerdings sei noch nicht besprochen, wie die Übergangsregelungen aussehen würden bzw. ab wann das Gesetz gelten lassen solle. Einigermaßen bedeckt hält sich der Klubchef bezüglich einer Wiederbestellung des derzeitigen General-Intendanten Gerhard Weis. Ob es Änderungen in der ORF-Spitze gebe, entscheide das Kuratorium. Gleichzeitig betonte Khol: "Ich speziell gehe davon aus, dass das Kuratorium keinen Grund sehen wird, eine erfolgreiche Geschäftsführung zu verändern". Ob die heutige ORF-Spitze erfolgreich sei, könne man jedoch erst abschließend bei der Wahl im Juni 2002 beurteilen. (APA)