Eisenstadt - Die Burgenland-Grünen kritisieren den "Raubbau" der schwarz-blauen Bundesregierung an der Bildungsqualität. "Wir müssen enttäuscht feststellen, dass die Bundesregierung entgegen ihrer Ankündigung gerade die Bildung einem Sparkonzept unterwirft", stellte LAbg. Josko Vlasich am Donnerstag in Eisenstadt fest. Die Einsparung von Lehrerplanstellen - das Burgenland verliert bis 2004/05 320 Lehrerposten - gefährde zahlreiche kleine Dorfschulen, warnte Vlasich. Zur aktuellen Abstimmung über das Jahresnormmodell für Pflichtschullehrer stellte der Grün-Politiker fest, "die Lehrer dürfen entscheiden, auf welche Weise Kollegen arbeitslos werden". Die Pflichtschullehrer-Gewerkschaft habe sich vor den Karren der Bundesregierung spannen lassen. 70 Prozent der 320 Lehrerposten, die im Burgenland einzusparen sind, sollen bereits im ersten Jahr erreicht werden. Vlasich befürchtet, dass sich das auf die Bildungsqualität und auch auf die Struktur im Burgenland auswirken wird und kleine Schulen zusperren müssen. Die zuständigen Stellen im Land wären gut beraten, sich über die kommenden Semesterferien Gedanken über Abfederungsmaßnahmen zu machen, meinte Vlasich. Eine Auffangmöglichkeit sieht der Grün-Mandatar im zweisprachigen Schulwesen im Burgenland; so könnten 150 Planstellen gerettet werden. Zusätzlichen Bedarf könnte es auch im Unterricht von Schülern kleiner Glaubensgemeinschaften (Stichwort: Evangelische im Burgenland) oder im Unterricht von Schülern mit nicht deutscher Muttersprache geben. "De facto müssen wir aber damit rechnen, dass 80 bis 100 Lehrer ab Herbst nicht beschäftigt werden können." Da es sich um junge Lehrer handeln werde, müsse mit einer Stagnation im Bereich moderner Pädagogik gerechnet werden, so Vlasich. Gefährdet sieht der Grün-Politiker auch die zweisprachigen Schulversuche im AHS-Bereich. "Die Situation verschärft sich insofern, als keine zusätzlichen Werteinheiten vorhanden sind, weil entgegen allen Versprechungen diese Versuche nicht in das Minderheitenschulsystem übernommen wurden." Vlasich fürchtet, dass die fehlenden Werteinheiten mit Zusammenlegungen der Englischgruppen oder der Kürzung von Zusatzqualifikationen wettgemacht werden: "ein Interessenskonflikt". Der Grün-Politiker bedauerte, dass der Raubbau an der Bildungsqualität auch "mit roter Tinte" geschrieben worden sei. "LH Karl Stix, den sich sehr schätze, hat uns hier ein Ei gelegt im Zuge der Finanzausgleichsverhandlungen", stellte Vlasich fest. Die neue Landesregierung werde nun mit dem Problem des Lehrerabbaus und der Verminderung der Lehrqualität zu kämpfen haben. FPÖ-Schweitzer kontert Der Grün-Politiker Josko Vlasich verbreite bewusst Unwahrheiten, wenn er behaupte, dass im Bildungsbereich finanzielle Einsparungen vorgenommen worden seien, konterte der freiheitliche Bildungssprecher NAbg. Karl Schweitzer in einer Aussendung. "In der Realität ist das Bildungsbudget um 7 Mrd. S auf 199 Mrd. S aufgestockt worden." Zur Einsparung von Lehrerposten stellte der FPÖ-Politiker fest, dass es eine Vereinbarung zwischen den Landeshauptleuten und dem Finanzminister gebe, dass auch im Pflichtschulbereich nach den Prinzipien der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit, aber der höchsten Qualität vorgegangen werde. Bedauerlich sei allerdings, so Schweitzer, dass es im Burgenland durch jahrelange "rot-schwarze Gefälligkeitsanstellungen" einen Überhang von fast 300 Lehrern gibt. "Allein das Wahlzuckerl von (LHStv. Gerhard) Jellasitz - die zusätzliche Einstellung von 30 Lehrern - war eine Wahnsinnsaktion, die politisch unverantwortlich war. Alle politischen Kräfte des Landes sind aufgerufen, ihre konstruktiven Beitrag zur Behebung der von Rot und Schwarz verursachten Fehlentwicklungen im Bildungssystem zu leisten", so Schweitzer. (APA)