Es ändern sich die Zeiten, und die Menschen mit ihnen. Wer früher ein Säufer war, predigt heute Wasser, was nicht auffällt, solange er hübsch den Mund hält und niemanden zu seinem gerade aktuellen Weltbild bekehren will. Politiker haben es diesbezüglich besonders schwer, vor allem, wenn ihnen mit wenig Aufwand vorgehalten werden kann, dass ihr heute proklamiertes U gestern noch ein X gewesen ist. Der VP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger beispielsweise trat am 2. Februar vehement gegen die Freigabe von Haschisch auf: „Ich will nicht, dass sich halb Wien einraucht!“ Und warf der SPÖ einen „Zickzack-Kurs“ vor, „der sie aus der Bahn schleudern wird“. Der Mann weiß, wovon er spricht, vertrat er doch noch vor einigen Jahren einen äußerst liberalen Standpunkt. 1994 sah der Arzt Rasinger „keinen einzigen medizinischen Grund“ für ein Verbot von Cannabis: „Einstiegsdrogen für härtere Sachen sind Alkohol und Nikotin.“ (kob, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 2. 2001).