Wie ein auf Bewährung Verurteilter darf sich das unter Slobodan Milosevic als Kriegstreiber verurteilte Serbien keine weiteren Fehler leisten. So halten sich serbische Polizisten und jugoslawische Soldaten zähneknirschend zurück, wenn Kämpfer der albanischen, extremistischen "Befreiungsarmee von Presevo, Bujanovac und Medvedja" (U¸CPMB) in der Pufferzone entlang der Grenze zum Kosovo auf sie schießen. Und die neue serbische Regierung demonstriert Geduld, Toleranz und Pazifismus. Sie hütet sich, unter den geringsten Verdacht zu geraten, für eine Verschärfung der Gefechte verantwortlich zu sein. Ihr Friedensplan sieht die Einbindung der Albaner in Südserbien in alle politischen Institutionen und auch in die Polizei vor und stößt auf Gefallen in Europa und Amerika. Eines hat man in Belgrad nach einem Jahrzehnt der internationalen Verhöhnung und Isolation gelernt: Ohne die Unterstützung des Westens läuft nichts in Serbien. Die U¸CPMB hat den Friedensplan jedoch strikt abgelehnt. Albaner hätten nicht "ihr Blut vergossen", damit sie in einem "Gemeinderat säßen" und die Uniform der "kriminellen serbischen Polizei" tragen. Die gut bewaffnete und ausgebildete U¸CPMB will die Angliederung Südserbiens an den Kosovo, baut Bunker, mobilisiert die lokalen Albaner, trifft anscheinend Vorbereitungen für einen Krieg im Frühjahr. Zumal die Kfor recht wenig unternommen hat, um das zu verhindern. Wenn die U¸CPMB ihre Angriffe in der Pufferzone intensiviert, werden EU und USA vor eine äußerst heikle Frage gestellt: Soll man den jugoslawischen Streitkräften und der Kfor grünes Licht für "antiterroristische Aktionen" gegen die bis vor kurzem mit der Kfor verbündeten Albaner geben? Für Diplomatie bleibt recht wenig Zeit. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.2.2001)