Wien - Zehn Verträge österreichischer Unternehmen mit russischen Partnern sind das wirtschaftliche Ergebnis des Staatsbesuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Österreich. "Die Verträge repräsentieren ein finanzielles Volumen von 50 Mrd. S", erklärte Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl bei der Vertragsunterzeichnung. Mit über 40 Mrd. S (2,9 Mrd. €) gehen dabei mehr als vier Fünftel dieses Volumens auf die noch in Verhandlung stehende Verlängerung des Gasliefervertrags zwischen der russischen Gazprom und der OMV zurück. Diese schon 1998 erstmals angekündigte Verlängerung sollte ab 2008 an den geltenden Vertrag anschließen und dann über 16 Jahre laufen. Zweiter großer Brocken ist ein Auftrag für die Voest-Alpine Industrieanlagenbau (VAI) zur Errichtung einer Stranggießanlage im Hüttenkombinat Nishnij Tagil in der Region Jekaterinburg. Der Auftrag hat einen Wert von mehr als einer Mrd. S. Darüber hinaus konnte die VAI mit einem russischen Partner eine Absichtserklärung über die Errichtung eines Walzwerkes abschließen. Weitere Projekte: Der Fensterproduzent Actual vereinbarte die Lieferung von Maschinen zur Fensterrahmenerzeugung, die Grazer AVL List schloss einen Vertrag zur Motorenentwicklung, Doppelmayer zog drei Seilbahnverträge an Land und die Firma FMW wird in einem Joint Venture eine Trockenmörtelanlage errichten. Dynamische Entwicklung Putin und Leitl betonten nach der Vertragsunterzeichnung in der Wirtschaftskammer die dynamische Entwicklung der bilateralen wirtschaftlichen Beziehungen. Nach den vorliegenden Ergebnissen seien im Vorjahr die Exporte nach Russland um 45 Prozent gestiegen, die Importe aus Russland gar um 84 Prozent, berichtete Leitl. Dies ausgehend von einem Niveau von acht Mrd. S bei den Ausfuhren und 16 Mrd. S bei den Einfuhren. Putin wies auf die sehr gute Entwicklung in Russland in der jüngsten Vergangenheit hin. Das Wirtschaftswachstum habe im Vorjahr 7,7 Prozent betragen. Auch das heurige Jahr beginne vielversprechend. Der russische Präsident hob in seiner Rede vor allem die hohe Bedeutung des sozialen Aspekts für das Florieren eines Staates hervor und nannte dabei Österreichs Modell der Sozialpartnerschaft als Vorbild auch für Russland. Für den stellvertretenden Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Bank Austria, Stefan Bruckbauer, war der kräftige Anstieg der Erdölpreise im vergangenen Jahr der Hauptgrund für den Höhenflug der russischen Wirtschaft. Vor allem ein Leistungsbilanzüberschuss von rund 40 Mrd. Dollar (592 Mrd. S), das seien 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, habe die Importe angekurbelt. "Jetzt können sich die Russen wieder Sachen leisten, auf die sie nach der Krise 1998 verzichten mussten." Für das laufende Jahr rechnet Bruckbauer allerdings wieder mit einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums auf etwa drei Prozent, da sich die Rohölpreise stabilisieren dürften. (jost/gb/DER STANDARD, Printausgabe 10.2.2001)