Paris - Der französische Verlag "Mercure de France" hat den Roman "Das Sanatorium" ("Le Sanatorium") des russisch-österreichischen Schriftstellers David Vogel in der Übersetzung aus dem Hebräischen von Gabriel Roth neu aufgelegt. Der 1926 geschriebene Roman erzählt die Geschichte der lungenkranken Patienten eines Sanatoriums in Kärnten, welche die verheerenden Auswirkungen des Föhns ertragen müssen. Die Handlung spielt kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und spiegelt die erdrückende Atmosphäre der vom Tode bedrohten Patienten wider, eine Metapher für das bevorstehende Schicksal des dekadenten Europa. Vogel selbst bildete ein Musterbeispiel für diese "Welt von gestern". 1891 in Russland zur Welt gekommen, lebte er zunächst in Litauen und in Österreich-Ungarn, wo er als Bürger eines feindlichen Staates interniert wurde. Anschließend fand er in Palästina unter britischem Mandat, im Deutschland der Weimarer Republik und im Frankreich der "Front populaire" Zuflucht. Zu Beginn der 40er Jahre wurde Vogel in Frankreich erneut verhaftet, diesmal weil er Österreicher war. 1944 verliert sich jede Spur von dem Schriftsteller. Seine Biografen vermuten, dass er auf Grund seiner jüdischen Abstammung in einem Konzentrationslager ums Leben gekommen ist. (APA)