Wien - Der Countdown läuft bei der Suche nach einer neuen Leitung des Wiener Schauspielhauses. Am Sonntag, den 11. Februar ist der Einsendeschluss für Bewerber um die für drei Jahre ausgeschriebene Position. Die Ausschreibung fordert programmatisch zeitgenössisches Sprechtheater, Wert gelegt wird aber auch auf Innovation und Experiment bzw. die Berücksichtigung aktueller internationaler Tendenzen einerseits und die Zusammenarbeit mit der Wiener Freien Szene andererseits. Die APA stellt Konzepte von Kandidaten vor, u.a. von Eva Brenner, Hakon Hirzenberger/Monika Rovan und Hans Piesbergen/Silvia Armbruster/Susanne Meister. Wie viele Bewerbungen insgesamt eingegangen sind, war nicht zu erfahren, allerdings wurde angekündigt, daß Kulturstadtrat Peter Marboe sehr rasch - angeblich bereits in der Woche nach Einsendeschluss - seine Entscheidung treffen werde. "Was soll ich da machen auf dieser verbrannten Erde?" Der in weiten Kreisen als Favorit gehandelte Intendant der Hamburger Kammerspiele, Ulrich Waller, hat laut Auskunft seines Pressesprechers Thomas Müller weder eine Bewerbung verfasst, noch ist er offiziell angefragt worden. "Das heißt, er hat das eigentlich auch nicht vor. Es gibt Kontakte zu Hans Gratzer, schon allein über die Koproduktion von 'Wit', die zurzeit an den Kammerspielen läuft. Und Gratzer hat ihn wohl bei dieser Diskussion ins Spiel gebracht." Womit der "Favorit" eigentlich aus dem Rennen sein dürfte. Ebenfalls nicht beworben hat sich der neue Rabenhof-Leiter Karl Welunschek. "Was soll ich da machen auf dieser verbrannten Erde? Alles umackern? Da müsste man ja erst einmal den miesen Geruch von dieser Partie raus kriegen, die da drinnen war. Dieser Mann hat es ja geschafft, bei einem Keller für 170 Leute so zu tun, als wäre das ein großes Theater, das ist ja alles nicht wahr. Also ich glaube, der Gratzer wird drinnen bleiben." Die Bewerber und ihre Konzepte Eva Brenner, Leiterin des Wiener projekt theater studios, schwebt ein interdisziplinäres Sieben-Sparten-Zentrum vor, basierend auf experimenteller Labor-Arbeit im Austausch mit internationalen Performance-Künstlern. Ein "Kraftfeld junger Dramatik und gesellschaftspolitischer Auseinandersetzung", das schnell auf aktuelle Themen eingeht und diese in kürzester Zeit auf die Bühne bringt, plant das junge Team um den Schauspieler, Regisseur und Autor Hakon Hirzenberger und die Bühnenbildnerin Monika Rovan. Das "Sch@uspielhaus" als Chatroom ist auch Teil des Konzepts, das der Schauspieler Hans Piesbergen, die Regisseurin Silvia Armbruster und die Dramaturgin Susanne Meister einreichen. Markus Kupferblum, Gründer des Totalen Theaters in Wien und Paris, will das Schauspielhaus mit einem Cafe und mehreren Veranstaltungen pro Tag als selbstverständlichen Begegnungsort für junges Publikum etablieren. Robert Quittas, derzeit Leiter des Österreichischen Theaters, würde das Schauspielhaus zu je einem Drittel mit eigenen Inszenierungen, mit Produktionen anderer Autoren/Regisseure und mit Retrospektiven ausländischer Gruppen bespielen. Ebenfalls bewerben wollen sich die Regisseurin Sabine Mitterecker, Schauspieler und Regisseur Alexander Waechter, der kurz das Wiener Theater m.b.H. leitete, sowie "zu 90 Prozent sicher" Schauspieler und Regisseur Harald Posch. Über ihre Konzepte halten die drei sich allerdings noch bedeckt. Der junge Regisseur Ernst Kurt Weigel, der sich zusammen mit Grischka Voss und dem gemeinsam gegründeten Bernhard Ensemble beworben hat, verrät immerhin, dass er mit einem festen, demokratisch organisierten Ensemble arbeiten will, das bei der Auswahl der Stücke und Regisseure mitbestimmen soll. (APA)