Warschau - Unabhängig von anhängigen Sammelklagen in den USA sollen die ersten ehemaligen Zwangsarbeiter in Polen im März Geld erhalten. Darauf einigten sich Opferverbände und der Stiftungsrat der "Deutsch-polnischen Aussöhnung" am Freitag in Warschau. Die Stiftung gehe zwar davon aus, dass die Klage gegen deutsche Banken zurückgewiesen werde und der von der deutschen Wirtschaft geforderte Rechtsfrieden als Voraussetzung für die Auszahlung der Entschädigungen gesichert sei, sagte der Stiftungsvorsitzende Bartosz Jalowiecki vor Journalisten. Sollte dies aber nicht geschehen, sollen die ältesten Opfer eine Abschlagszahlung erhalten. Aus Stiftungsmitteln sollen diejenigen der insgesamt rund 500.000 ehemaligen Zwangsarbeiter in Polen, die über 80 Jahre alt sind, eine erste Entschädigung in Höhe von 1400 Zloty (369 Euro/5.076 S) erhalten. Nicht alle Opferverbände seien mit dieser Entscheidung zufrieden, gab Jalowiecki zu. "Die Zahlungen sollten aus deutschen Mitteln kommen, darauf warten die Opfer." Sollte es die US-Klage zurückgewiesen werden, wird es dagegen keine Abschlagszahlung geben, da sich die Auszahlung der ersten Entschädigungsrate dann nur um einige Wochen verzögert und die Nazi-Opfer im Mai mit den regulären Entschädigungen rechnen können. Den Opferverbänden und der Stiftung sei klar, dass derzeit kein Druck auf die deutsche oder amerikanische Seite ausgeübt werden könne, begründete Jalowiecki die Entscheidung zu einer Abschlagszahlung, die in der Vergangenheit in Deutschland auf rechtliche Bedenken gestoßen war. "Das ist der letzte Ausweg, den wir uns offen gehalten haben." (APA/dpa)