Prag - Experten der Internationalen Atomenergie-Behörde in Wien beginnen am Montag mit einer Überprüfung des umstrittenen tschechischen Atomkraftwerks Temelin. Wie der Werksbetreiber CEZ am Freitag mitteilte, sollen die Inspektionen bis zum 01. März abgeschlossen sein. An der Untersuchung beteiligen sich auch Experten aus Deutschland und den USA. Die Inbetriebnahme des Kraftwerks sowjetischer Bauart im Oktober war in Österreich wegen angeblicher Sicherheitsmängel auf heftige Proteste gestoßen. Das Kraftwerk, das mit westlicher Sicherheitstechnik nachgerüstet wurde, liegt etwa 50 Kilometer von der Grenze zu Österreich entfernt. Österreich droht mit EU-Aufnahme- Blockade Österreich hatte Tschechien damit gedroht, seine angestrebte Aufnahme in die Europäische Union (EU) zu blockieren, sollten die geforderten Sicherheitskontrollen nicht durchgeführt werden. Die tschechische Regierung hat Zweifel an der Sicherheit des Kraftwerks stets zurückgewiesen. Der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und sein tschechischer Kollege Milos Zeman hatten sich im Dezember auf eine weitere Sicherheitsinspektion verständigt. Österreich hatte im Gegenzug zugesagt, Blockaden von Atomkraftgegnern an der Grenze zu Tschechien zu unterbinden. Atomgegner skeptisch - Fordern eine Umweltverträglichkeitsstudie "Auf keinen Fall ein Ersatz für Sicherheitsprüfung gemäß der Vereinbarung von Melk" Skeptisch reagierten am Freitagnachmittag die Atomgegner auf die Ankündigung, dass ab Montag Experten der Internationalen Atomenergie-Behörde in Wien eine "Überprüfung" des AKW Temelin vornehmen werden. "Das ist auf keinen Fall ein Ersatz für die Sicherheitsprüfung gemäß der Vereinbarung von Melk", betonte dazu Josef Pühringer, der Sprecher der Plattform gegen Atomgefahren. Atomenergie-Behörde ist eindeutig pro Atomkraftwerke In Melk sei zwischen Bundeskanzler Schüssel und dem tschechischen Ministerpräsidenten Milos Zeman sowie EU-Erweiterungskommissar Günther Verheugen eine Sicherheitsüberprüfung vor allem auch der kritischen Bereiche des AKW Temelin vereinbart worden, wobei diesbezüglich auch völlige Transparenz herrschen solle. Die Überprüfung selbst solle durch unabhängige Experten vorgenommen werden. "Die Atomenergie-Behörde in Wien kann in diesem Sinn nicht als unabhängig angesehen werden, sie ist von ihrer Zielsetzung her eindeutig pro Atomkraftwerke eingestellt", so Pühringer, der einen Vergleich zieht: "Das ist, wie wenn die Fleischerinnung das Fleisch prüfen würde, das die einzelnen Fleischhauer auf den Markt bringen". (APA/ REUTERS)