"Ob ich vorher schon mal mit Gesundheitswesen zu tun hatte? Ich?" Wieland Kahl mag es selbst kaum glauben. Aber seit zwei Monaten hat er ausreichend damit zu tun. Seinen unselbstständigen Brotberuf hat er aufgegeben - gemeinsam mit seinen sechs Partnern widmet er sich voll und ganz AMCD. Das Kürzel steht für "Advanced Medical Consulting & Dispatch" und verfolgt einen simplen Ansatz. "Wenn man heute im Straßenverkehr in einen Unfall verwickelt wird, kommt ein Notarzt und stellt eine Diagnose. Nur sind diese Diagnosen zu 46 Prozent falsch", erklärt Wieland Kahl. Das läge nicht an der Inkompetenz der Notfallmediziner, sondern daran, dass der jeweils behandelnde Arzt im Grunde keine Ahnung von dem Patienten hat. "Woher denn auch? Er kennt ja seine Krankengeschichte nicht", so Kahl. Wäre es da nicht wunderbar, wenn er innerhalb von wenigen Augenblicken sämtliche Informationen zur Hand hätte? Genau da setzt AMCD an. "Und das Verblüffendste überhaupt: Unser Projekt ist etwas völlig Neues. Das gibt es in dieser Form nicht einmal in den USA", freut sich der Jungunternehmer. Die erste Phase umfasst die Verwaltung der gesamten Krankengeschichte eines Mitglieds durch AMCD-eigene Ärzte - geplant ist ein Callcenter mit 72 Medizinern. Phase zwei soll bereits die fachlich seriöse ärztliche Konsultation beinhalten. In weiterer Folge werden dem konsultierten Arzt mithilfe mikrokompakter Geräte, die sich beim AMCD-Mitglied befinden, Messdaten wie Blutdruck, Temperatur und Puls, bis hin zu EKGs per Mobiltelefon übermittelt. Erreichbarkeit von AMCD: null bis 24 Uhr. Die Kosten für Mitglieder: minimal. Wieland Kahl: "Es gibt einen einmaligen Einschreibbetrag von 800 Schilling, dann Jahresbeiträge in der Höhe von 570 Schilling." AMCD wäre im Prinzip startklar, versichert Kahl: "Einen Investor brauchen wir halt noch." Und sollte er diesen in den nächsten Wochen in Österreich nicht auftreiben, will er im Ausland Geldgeber für seine Idee suchen. "Ich muss. Sonst realisiert das Vorhaben eben ein anderer, der finanzkräftiger ist." Wieland Kahl teilt sein derzeitiges Schicksal mit Norbert Kaimberger. Auch er hat im weitesten Sinne mit Gesundheitsvorsorge zu tun und benötigt dafür ebenfalls Startkapital. "Die Idee ist einem Freund und mir gekommen, als die beiden Feuerkatastrophen im Tauern- und Mont-Blanc-Tunnel passierten. Kaimberger, selbst bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig, ließ der Gedanke nicht los: "Bis Löschfahrzeuge an die Unfallstelle vordringen können, ist es meist längst zu spät." Sein Vorschlag: Mobile Löschgeräte, die am Tunnelplafond auf Schienen laufen - ferngesteuert von den jeweiligen Leitzentralen. "So können wir innerhalb von wenigen Minuten den Brand bekämpfen. Und zwar lange bevor er Temperaturen von bis zu 2000 Grad erreicht. Wir wollen ja schließlich auch noch Menschenleben retten", sagt Kaimberger. So einfach loslegen wie AMCD-Geschäftsführer Kahl kann Norbert Kaimberger allerdings nicht. "Die Tests für unser Produkt sind sehr aufwendig. Wir bräuchten einen Investor, der uns eventuell auch einen stillgelegten Stollen zur Verfügung stellt, damit wir ausreichend proben können." Vorlaufzeit bis zum endgültigen Fertigungsbeginn: 18 Monate. Jedoch erst, wenn die Finanzierung geklärt ist: "15 Millionen würden wir schon brauchen", rechnet Kaimberger hoch. Sowohl Wieland Kahl als auch Norbert Kaimberger stehen unter Druck. Wenn die Ideen nicht rechtzeitig umgesetzt sind, ist es vorbei. Aber daran denken beide nicht. Dafür bleibt im Moment wirklich keine Zeit. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 10./11. Februar 2001, Andreas Tröscher)