Ein Berufungsgericht in San Francisco wird am kommenden Montag (12. Februar) über die Zukunft der Online-Musiktauschbörse Napster entscheiden. Der 9. Circuit District Court teilte am Freitag auf seiner Internetseite mit, dass das Gericht seinen Beschluss am Montagmorgen fassen und bekannt geben wolle. Der Verband der US-Plattenindustrie (RIAA) hatte Napster Urheberrechtsverletzungen vorgeworfen und eine Schließung der Börse verlangt. Zur RIAA gehören Medienkonzerne wie Seagram, die Bertelsmann-Tochter BMG und die Sony-Tochter Sony Music. Die Musikbörse argumentiert dagegen, sie biete lediglich einen Austauschdienst für Musiktitel an. Napster sieht im Vorgehen der RIAA zudem den Versuch der Plattenindustrie, ihre beherrschende und lukrative Stellung beim Vertrieb von Musik aufrecht zu erhalten. Nach monatelangem Rechtsstreit über angebliche Urheberrechtsverletzungen war Bertelsmann allerdings im Herbst eine Allianz mit Napster eingegangen. Bertelsmann war mit seiner Napster-Allianz aus der Reihe der weltgrößten Musikunternehmen ausgeschert, die das US-Unternehmen allesamt verklagt haben. Nun will der Gütersloher Konzern Napster mit einem Kredit der Bertelsmann eCommerce Group (BeCG) bei der Umwandlung in einen Abo-Service unterstützen. Anschließend soll die Bertelsmann Music Group (BMG) ihre eigene Klage gegen Napster fallen lassen und der Website ihr digitalisiertes Repertoire zum kostenpflichtigen Herunterladen aus dem Internet zur Verfügung stellen. Die BeCG hat die Option, sich an Napster zu beteiligen. Ende Juli hatte eine Richterin Napster verboten, urheberrechtlich geschützte Musikstücke über seine Computer- Server tauschen zu lassen. Dies hätte praktisch die Abschaltung von Napster bedeutet. Das Berufungsgericht gewährte der Firma jedoch einen Strafaufschub und hob den Beschluss der Richterin wieder auf. Der Prozess könnte Einfluss auf den Vertrieb von Büchern, Filmen und Musik im Internet haben. "Napster wird ein maßgebendes Beispiel für den Umgang mit Urheberrechten im Internet sein", sagte ein Analyst. Zunächst hatten zahlreiche Urheberrechts-Experten und Anwälte in der Gesetzeslage Vorteile für die Plattenindustrie gesehen. Inzwischen sehen einige Experten jedoch gute Argumente für die Position Napsters. Neben Napster bieten auch Musikbörsen wie Gnutella oder FreeNet die Möglichkeit zum Musiktausch im Internet. (Reuters)