Rom - In Italien rätselt man über den ehemaligen SS-Offizier Karl Hass, der wegen des im Jahr 1944 verübten Massakers an 330 Zivilisten in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden war und seit einigen Monaten spurlos verschwunden ist. Eine Mailänder Organisation, die neue rechtsextremistische Bewegungen beobachtet, forderte die Parlamentsgruppen der Linken auf, initiativ zu werden, um Hass wieder aufzuspüren. Die Polizei ist der Ansicht, dass der 87-jährige Italien verlassen hat. "Hass ist ein alter Herr, es ist nicht mehr notwendig, ihn hinter Gittern zu bringen. Sollten die italienischen Behörden jedoch seine Flucht bestätigen, wäre dies ein gefährliches Zeichen für die Unachtsamkeit, mit der Italien Verantwortliche abscheulicher Nazi-Verbrechen behandelt", so Saverio Ferrari, Präsident der Mailänder Organisation. Hausarrest Hass war wegen seines hohen Alters unter Hausarrest in Rom. Im September hätte vor einem Mailänder Gericht in Zusammenhang mit einem rechtsextremistischen Attentat in Mailand im Dezember 1969 aussagen sollen, bei dem 16 Personen getötet und über 80 verletzt worden waren. Die italienischen Justizbehörden hatten erwartet, dass Hass zur Klärung der Hintergründe beitragen könnte, die im Dezember 1969 zum Bombenanschlag auf der zentralen Piazza Fontana in Mailand führten. Dieses Attentat war der erste einer langen Serie extremistischer Anschläge, die Italien bis Anfang der 80-er Jahre erschütterten und Hunderte von Toten verursachten. Hass war 1997 zusammen mit dem ehemaligen SS-Mann Erich Priebke zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Ein Rekurs seiner Anwälte wegen seines schlechten Gesundheitszustandes wurde im Juli 1999 abgelehnt. Im Februar 1999 hatte ihm das Militärgericht Hausarrest bewilligt. Er leidet an Diabetes und Depressionen. (APA)