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New York - Kein Forscher der Welt hat so viele Gene "geknackt" wie Craig Venter. Er hat als erster das Erbgut eines Organismus komplett entschlüsselt. Von jenen, die folgten, stammt knapp jedes zweite aus seinem Labor. Als Gründer des privaten Instituts für Genomforschung " TIGR " hat er sich mit der Jagd nach Genen eine goldene Nase verdient. Als erstes schlüsselte er die Gene des Bakteriums Haemophilus influenzae (1995) auf. Auch das Erbgut des Bakteriums Helicobacter pylori, Ursache der meisten Magengeschwüre, und das des Syphilis-Erregers, wurden durch sein Team entschlüsselt. Familienbetrieb Venters Frau Claire Fraser, ebenfalls eine bekannte Molekularbiologin, führt das Unternehmen "TIGR". Venter selbst fungiert als Geschäftsführer von Celera Genomics in Rockville (US-Bundesstaat Maryland), wo es um die Sequenzierung des menschlichen Genoms ging. Das Wort "Celera" heißt übrigens im Lateinischen "schnell" oder "eilig". Venter hatte nur einen Bruchteil jener Summen zur Verfügung, welche die Forscher im internationalen Human Genome Project nutzen konnten. Der US-Wissenschafter arbeitet mit einem Team von 300 Mann und einigen Millionen Dollar aus der privaten Industrie. Das staatlich geförderte Human-Genom-Projekt, schluckte bis 1999 drei Milliarden Dollar (3,14 Mrd. Euro/43,1 Mrd. S) und bindet Genforscher weltweit mit ein. Vorwurf der Profitgier Unter dem Druck seiner Geldgeber, aber sicher auch aus eigener Motivation, hat Venter einige der vielversprechendsten Gene patentieren lassen - oder dies zumindest beantragt. Das brachte ihm den Vorwurf, auch aus Profitgier zu handeln. Unkonventionell und ungeduldig war der gebürtige Kalifornier schon immer. In der Schule gab es nichts als Probleme. Craig weigerte sich, Schularbeiten zu schreiben, und wurde wegen mangelnder Disziplin ständig zur Räson gerufen. Er brachte seine Eltern weiter zur Verzweiflung, als er schließlich das Nichtstun am südkalifornischen Pazifik einer Ausbildung vorzog. Venter surfte und segelte drei Jahre lang, bis ihn der Vietnamkrieg einholte und mit einer anderen Realität konfrontierte. Als Sanitäter im Hospital der US-Navy in Danang verarztete Venter verwundete Landsleute - einmal, während der Tet-Offensive, fünf Tage ohne Pause. "Vietnam hat ihn geändert", sagt seine Frau. "Es hat ihm den Gedanken eingeprägt, dass Zeit wertvoll ist, dass jede einzelne Minute jedes einzelnen Tages zählt". Aus dem Krieg zurück, beschloss er, Arzt zu werden und in der Dritten Welt zu arbeiten. In nur sechs Jahren absolvierte er das Studium, veröffentlichte eine Reihe von Arbeiten und promovierte. Wirklich jeder Affe? Statt in die Arztpraxis zog es Venter dann aber ins Labor. Jahrelang entschlüsselte er mühsamst Gene "per Hand", wie er sagt. Und zwar bei jenen Nationalen Gesundheitsforschungsinstituten - NIH - in Bethesda (Maryland), die er inzwischen mit seinem "Schnellschussverfahren" ausgestochen hat. James Watson, Nobelpreisträger und Entdecker der Erbgutstruktur, quittierte Venters erste maschinell erstellte DNA-Sequenzen als Arbeit, die "jeder Affe" schaffen würde. Das war 1986. Und noch heute zählt Watson zu den schärfsten Kritikern des Mannes, dem man sowohl mit Respekt als auch Neid und nicht zuletzt mit begründeten Bedenken entgegen tritt - siehe seine Tendenzen, die erarbeiteten Informationen als exklusives Gut zu betrachten, anstatt sie in einen für alle zugänglichen Wissenspool zu überführen. (APA/dpa)