New York - Eine Rede von US-Notenbankchef Alan Greenspan wird nach Einschätzung von Analysten den US-Kreditmärkten in der kommenden Woche voraussichtlich weiteren Aufschwung verleihen. Investoren rechneten erneut mit deutlichen Hinweisen Greenspans auf Höhe und Zeitpunkt künftiger Leitzinssenkungen, sagten die Experten. Damit fördere der Fed-Chef die Zinssenkungsspekulationen, wovon vor allem das kurze Marktendende profitieren werde. Greenspan spricht am Dienstag vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Auch bei den anstehenden Konjunkturdaten sehen Volkswirte in ihren Prognosen keine deutlichen Anzeichen einer Erholung in den USA. "Man kann es drehen, wie man will: Die Kreditmärkte werden deutliche Kursgewinne erleben", sagte Richard Gilhooly, Rentenstratege bei BNP Paribas in New York. Dem Bankenausschuss wird der Fed-Chef am Dienstag gegen 16 Uhr MEZ seinen Halbjahresbericht präsentieren. Die Märkte warten Händlern zufolge mit großer Spannung auf Anmerkungen Greenspans zur aktuellen wirtschaftlichen Lage in den USA. In seiner Rede vor dem Haushaltsausschuss des Senats im Jänner hatte Greenspan von einer "sehr dramatischen" Abkühlung der Konjunktur und sogar von einem möglichen Null-Wachstum in den USA gesprochen. Diese Aussagen hatten Analysten als eindeutigen Hinweis auf die kräftige Leitzinssenkung am 31. Jänner gewertet. An den Rentenmärkten beiderseits des Atlantiks lösten sie ein wahres Kursfeuerwerk aus. Die Fed hatte im Jänner in zwei Schritten die Leitzinsen in den USA um insgesamt einen Prozentpunkt gesenkt. Händler versprechen sich von Greenspans Rede am Dienstag erneut eindeutige Signale zur Höhe und zum Zeitpunkt der nächsten Leitzinssenkung. Einer jüngsten Reuters-Umfrage zufolge erwarten 24 von 25 befragten Primärmarkthändlern, dass die Fed entweder beim nächsten Treffen ihres geldpolitischen Ausschusses am 20. März oder sogar schon vorher den Schlüsselzins um mindestens 25 Basispunkte senken wird. Der als Leitzins geltende Zielsatz für Tagesgeld liegt in den USA derzeit bei 5,50 Prozent. Generelle Tendenz steigend An Konjunkturindikatoren sind Händlern zufolge für die Entwicklung an den Kreditmärkten vor allem die am Dienstag anstehenden Einzelhandelsumsätze für Jänner von Bedeutung. Von Reuters befragte Volkswirte rechnen mit einem leichten Anstieg zum Vormonat um 0,6 Prozent nach einem Plus von 0,1 im Dezember. Sie führen den erwarteten Zuwachs jedoch vor allem auf saisonale Effekte zurück und sehen in ihm keinen Widerspruch zum allgemein beobachtbaren Wirtschaftsabschwung in den USA. "Ein leichter Anstieg der Einzelhandelsumsätze könnte einige Anleger zwar kurzzeitig ein wenig verunsichern, aber die generelle Kurstendenz an den Rentenmärkten zeigt in der kommenden Woche weiter klar nach oben", sagte Brian Robinson, Rentenstratege bei 4Cast. Am Freitag hatten die US-Staatsanleihen wieder klar im Plus gelegen, nachdem sie an den Tagen zuvor Händlern zufolge wegen Neuemissionen staatlicher Papiere im Gesamtvolumen von 32 Milliarden Dollar (34,3 Mrd. Euro/472 Mrd. S) leichte Kursverluste hinnehmen mussten. Die zehnjährigen Anleihen schlossen am Freitag 14 Ticks im Plus bei 99-24/32 Punkten (Rendite 5,03 Prozent). Die Rendite der am Vortag neu emittierten 30-jährigen Anleihe betrug zu Handelsschluss 5,39 Prozent im Vergleich zu 5,53 Prozent des Vorgängerpapiers am Donnerstag. Händler wiesen jedoch auf Verzerrungseffekte nach der Neuemission hin, die einen direkten Renditevergleich der alten und neuen Papiere erschwerten. (APA/Reuters)