Belgrad - Die jugoslawischen Behörden bereiten laut Medienberichten für die nächsten Tage die Festnahme des früheren Präsidenten Slobodan Milosevic vor. Nach Angaben der montenegrinischen Wochenzeitung Monitor stehe in Belgrad eine "Spezialzelle" für Milosevic bereit, die hermetisch abgeschirmt, aber mit allem Komfort ausgestattet sein soll.

Laut Monitor will die jugoslawische Justiz den ehemaligen Staatschef wegen einer ganzen Reihe von Straftatbeständen anklagen, darunter Landesverrat, Wahlbetrug und Unterdrückung von Minderheiten. Ob dem Prozess in Belgrad eine Auslieferung an das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag folgen könnte, sei noch offen. Justizminister Vladan Bastic wolle in den nächsten Tagen ein Verteidigerteam für Milosevic bestellen.

Unterdessen hat der neue serbische Regierungschef Zoran Djindjic die baldige Lösung der Krise im albanisch bewohnten südserbischen Grenzgebiet zum Kosovo angekündigt. Die albanische Seite habe zwei bis drei Tage Zeit, ihre Position zum vorgelegten Belgrader Plan und zur Zusammensetzung der Verhandlungsdelegation mitzuteilen, sagte Djindjic am Wochenende. Das Belgrader Programm sieht den Beginn des serbisch-albanischen Dialogs spätestens innerhalb von 15 Tagen vor.

Einer der Führer der südserbischen Albaner, Zechiria Fasliu, hat die Belgrader Vorschläge indirekt abgelehnt. Dagegen begrüßte Nato-Generalsekretär George Robertson den Belgrader Friedensplan.

Innenpolitisch steht die serbische Regierung unter wachsendem Druck. Schon die ersten vorbereiteten Gesetzesvorlagen, die am heutigen Montag vom Parlament beschlossen werden sollen, dürften heftigen Widerstand auslösen.

Für Mittwoch haben die führenden serbischen Gewerkschaften mit einem Generalstreik gedroht, sollte das Parlament auf Antrag der Regierung das geltende Privatisierungsgesetz außer Kraft setzen. Der für seine engen Kontakte mit dem früheren Regime bekannte Gewerkschaftsbund beharrt auf dem Anrecht der Beschäftigten auf 60 Prozent der Firmenaktien. Wirtschaftsexperten warnen dagegen, dass die Beschäftigtenaktien zu wertlosem Papier würden, bliebe das aktuelle Gesetz, das kaum frisches Kapital anlocken wird, in Kraft. (APA/red, DER STANDARD, Print-Ausgabe 12. Februar 2001)