Kiew - In der Ukraine wächst der öffentliche Druck auf Präsident Leonid Kutschma. In der Hauptstadt Kiew gingen am Sonntag erneut rund 5000 Menschen mit Plakaten und Spruchbändern gegen Kutschma auf die Straße. Es war bereits die zweite Großdemonstration binnen weniger Tage in einem Land, das von Kutschma mit harter Hand gesteuert wird. Kritiker bringen Präsident Kutschma in Zusammenhang mit dem Tod eines regierungskritischen Journalisten. Tonbänder wie Journalistentod gefordert wird Dem ukrainischen Parlament wurden Tonbänder zugeleitet, auf denen angeblich Kutschma in grober Sprache zu hören ist, wie er von seinem Geheimdienstchef verlangt, den Journalisten zu beseitigen. Die enthauptete Leiche des Journalisten war nach Angaben von Freunden im November gefunden worden. Kutschma hat das heimlich aufgenommene Tonband indes als eine gezielte Manipulation bezeichnet und seine Verwicklung in den Fall des Journalisten Georgij Gongadse nachdrücklich bestritten. "Ukraine ohne Kutschma" Bei der Demonstration, die von der oppositionellen Bewegung "Ukraine ohne Kutschma" organisiert wurde, wurden am Sonntag Spruchbänder und Plakate mitgeführt, auf denen stand "Kutschma kaputt" und "Die Ukraine ist ein Polizeistaat". Dazu skandierte die Menge: "Kutschma, weg, Kutschma weg". Kutschma war im November 1999 für eine zweite Amtszeit von fünf Jahren bei Wahlen bestätigt worden. Der russische Präsident Wladimir Putin bekräftigte am Sonntag vor einem geplanten Treffen mit Kutschma, Russland stehe weiterhin zu dem rechtmäßig vom Volk gewählten ukrainischen Präsidenten. Unternehmen hätten bereits mit einem Personalabzug aus der Ukraine begonnen Nach Angaben aus Kreisen einer europäischen Handels- Delegation, die kürzlich die Ukraine besuchte, verlautete, die Entscheidung des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Ukraine einen dringend benötigten Kredit in Millionenhöhe nicht zu gewähren, habe verschiedene multinationale Unternehmen vorsichtig im Blick auf ihr Engagement in der Ukraine gemacht. Einige Unternehmen hätten bereits mit einem Personalabzug aus der Ukraine begonnen, hieß es. Der IWF kritisiert vor allem den nach seiner Einschätzung zu langsamen Gang der Reformen unter Präsident Kutschma, dessen Land insbesondere bei der Gasversorgung stark von Russland abhängig ist. (APA/Reuters)