Die Spezialeinheit zur Bekämpfung der Computerkriminalität des Innenministeriums ist einer Internet-Untergrundorganisation auf der Spur, die das Netz mit Viren verseucht. Ein mutmaßlicher Hacker, der laut Polizei in Österreich eine gefährliche Variante des Love-Letter-Virus in Umlauf gebracht hat, wurde ausgeforscht. Es soll sich um "ein ranghohes Mitglied" dieser Organisation handeln. Der Love-Letter Virus hatte im vergangenen Jahr weltweit Millionen Computer lahmgelegt und Schäden in Milliardenhöhe angerichtet. Auch in Österreich war die Mehrzahl der Firmen, die Computer im Einsatz haben, betroffen. Der jetzt ausgeforschte Verdächtige, ein 23-jähriger Programmierer aus Salzburg, habe sich in verschiedene österreichische Webseiten gehackt und an die eingetragenen Adressaten einer Mailing-List ein gefährliches Derivat des Love-Letter-Virus verschickt. Das Virus, das an über 570 Adressaten verbreitet wurde, löscht nicht nur wichtige Dateien auf den befallenen Rechnern, sondern macht in weiterer Folge den Zugriff auf den Computer durch seinen Besitzer nahezu unmöglich. Verdächtiger ist geständig Der 23-jähriger Programmierer hat zugegeben, den Virus verschickt zu haben. Er leugnet auch nicht, der Internet-Untergrundorganisation anzugehören. Im Falle einer Verurteilung droht dem Mann - je nach Ausmaß des Schadens - eine Geldstrafe oder Haft bis zu fünf Jahren. Auf die Spur des Hackers kamen die Ermittler durch die Anzeige einer geschädigten Firma. Die Beamten forschten den Absender in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Sichere Informationstechnologie Austria (A-SIT) über den Quellcode des Virus' aus. Am Samstag wurde bei dem Angestellten einer kleineren Firma im Auftrag des Landesgerichts Salzburg eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Dabei wurde ein Computernetzwerk beschlagnahmt, das den Experten zufolge zum "Cracken" (Knacken, Anm.) von Passwörtern auf Webservern, zum Hacken von PCs und Servern und zur Erstellung von hoch gefährlichen Viren eingesetzt wurde. Die Beamten stellten Literatur und Datenträger sicher, die für Angriffe auf andere Computer verwendbar sind. Der verdächtigte Salzburger wurde einvernommen. Er wird nach Abschluss der Ermittlungen wegen Verdachts der Datenbeschädigung auf freiem Fuß zur Anzeige gebracht. Virus bereits aktiv geworden Der versandte Virus ist bereits aktiv geworden. Bisher wurden 573 Geschädigte - Firmen, Institutionen, Private - gefunden. Der Schaden dürfte die für das Einschreiten des Landesgerichts Salzburg notwendige Grenze von 25.000 Schilling bei weitem überschreiten. "Als vor rund einem Jahr von Traiskirchen aus der Love-Letter-Virus verschickt wurde, betrug der uns gemeldete Schaden bei etwas mehr als 100 Betroffenen rund 230.000 Schilling. Dabei war der Virus damals gar nicht aktiv", sagte Bernhard Otupal von der Spezialtruppe des Innenministeriums der APA. Es handle sich um eine Organisation, die zumindest formal die "Freiheit des Internets" ohne Kontrollen von außen auf ihre Fahnen geheftet habe. In der hierarchisch gegliederten Gruppe müssten sich die Mitglieder durch "Aktionen hinaufarbeiten". Es gebe bisher allerdings nur äußerst spärliche Anhaltspunkte für Ermittlungen. Einen gefährlichen Virus wie "Love Letter" erkenne der Laie nicht, warnte Otupal. Schutz für den eigenen Computer bieten spezielle Virenscanner. In jedem Fall sei Vorsicht geboten, wenn ein E-Mail unbekannten Absenders mit einem verdächtigen Attachment, das einen sinnlosen Text enthält, im elektronischen Postfach landet.