Teheran - Im Iran ist der Geschäftsführer eines Verlages von mehreren reformorientierten Zeitungen verhaftet worden. Was Mohammed- Baqer Vali-Beyg vorgeworfen wird, war zunächst nicht bekannt, wie die amtliche Nachrichtenagentur IRNA am Montag berichtete. Nach seiner Verhaftung am Sonntag sollte er später vor Gericht zu den "Aktivitäten des Verlagshauses" Jame Ruz aussagen. Im Juli vorigen Jahres hatte die Justiz die Zeitungen des Verlages verboten. Die von der konservativen Geistlichkeit dominierten Gerichte in Iran haben seit April 2000 mehr als 30 reformorientierte Presseorgane verboten und mindestens ein Dutzend liberaler Journalisten inhaftieren lassen. Innenminister des Wahlbetrugs beschuldigt Der iranische Vize-Innenminister Mostafa Tajsadeh wurde am Montag vor einem Teheraner Gericht offiziell der "Komplizenschaft bei Wahlbetrug" beschuldigt. Er soll nach der Parlamentswahl vor einem Jahr eine Neuauszählung von Stimmen abgelehnt haben, die der von Konservativen beherrschte Wächterrat - der obersten Kontrollinstanz - angeordnet hatte. Tajsadeh wies die Anschuldigungen zurück. Er warf Richter Mohammad Daghighi vor, dies sei weltweit das erste Mal, dass jemand, der für die Abhaltung von Wahlen verantwortlich sei, für Unregelmäßigkeiten in einem einzelnen Bezirk verantwortlich gemacht werde. Daghighi habe seinen Vorschlag abgelehnt, Vertreter des Wächterrates als Zeugen zu hören. Bei den Parlamentswahlen im vergangenen Jahr hatten die Reformer um Präsident Mohammed Khatami einen überwältigenden Sieg errungen. Der Wächterrat ordnete daraufhin immer wieder neue Stimmauszählungen an und ließ zahlreiche Ergebnisse annullieren. Erst ein Machtwort des geistlichen Führers Ali Khamenei sorgte dafür, dass die Ergebnisse im Mai 2000 bestätigt wurden. (APA/dpa)