Moskau - Bei der Suche nach der Unglücksursache der "Kursk" konzentriert sich die zuständige russische Regierungskommission inzwischen auf die 24 Torpedos an Bord des Atom-U-Bootes. "Uns ist völlig klar, dass die Torpedos von Anbeginn an der Katastrophe beteiligt waren", sagte Vizeregierungschef und Kommissionsleiter Ilja Klebanow am Dienstag. Beim Untergang des hochmodernen U-Bootes nach zwei Explosionen am 12. August 2000 in der Barentssee waren alle 118 Mann an Bord ums Leben gekommen. "Entweder gab es eine äußere Einwirkung auf einen Torpedo, die zur Katastrophe geführt hat, oder innerhalb des Torpedos liefen irgendwelche Prozesse ab", sagte Klebanow der Agentur Interfax. Auch die vor allem von der russischen Marine vertretene Theorie eines Zusammenstoßes mit einem ausländischen U-Boot werde weiter verfolgt. Die Kommission lasse zum einen die verschiedenen Torpedo-Typen untersuchen, zum anderen die vom Meeresgrund geborgenen Teile der "Kursk". Seismographisch aufgezeichneten Erschütterungen Westliche Experten deuteten die zwei seismographisch aufgezeichneten Erschütterungen bei dem Unglück als Explosion zunächst eines einzelnen Torpedos und dann des gesamten Munitionsvorrates. Eine endgültige Klärung der Unglücksursache werde es erst nach der Hebung des Wracks geben, die für Juli geplant ist, sagte Klebanow. Bis Ende Februar werde Russland die Verträge mit ausländischen Firmen über das technisch komplizierte Projekt abschließen, meinten Kommissionsmitglieder. In einer dreiwöchigen Bergungsaktion im Herbst 2000 hatten russische Taucher mit norwegischer Hilfe zwölf Leichen aus der "Kursk" geborgen. Strahlenwerte in der Barentssee normal "Bei wöchentlichen Wasseruntersuchungen haben wir keine erhöhte Radioaktivität gemessen", teilte das beauftragte Speziallabor im Gebiet Kaluga bei Moskau nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax am Montag mit. Die Atomreaktoren an Bord hatten sich nach russischen Angaben automatisch abgeschaltet. (APA)