Wien/Brüssel - Finanzminister Karl-Heinz Grasser hält nichts von den geplanten Massenvernichtungen im Zuge der Maßnahmen gegen die Rinderseuche BSE. Sein Gegenvorschlag: Man solle das Fleisch an Bedürftige verschenken. Weitere Belastungen der österreichischen Steuerzahler durch die BSE-Krise schloss Grasser aus. Beim Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel betonte er, dass die Anhebung der Mehrwertsteuer zur Finanzierung der BSE-Maßnahmen "nicht stattfinden wird". Österreich stelle weder für das EU-Budget, noch im nationalen Haushalt weitere Mittel bereit.Molterer will Massenvernichtungen verhindern Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer will von der EU eine Ausnahmeregelung, um die Massenvernichtungen von gesunden Rindern in Österreich zu verhindern. Ein entsprechender Antrag liege in Brüssel, sei aber von den EU-Behörden bisher noch nicht bearbeitet worden. Um die derzeitige Krise am Rindfleischmarkt zu beheben, müssten der Export und die Inlandsnachfrage angekurbelt werden. Die Verbrennung gesunder Tiere sei nicht dazu geeignet, das Vertrauen der Konsumenten in den Verzehr von Rindfleisch wieder herzustellen. Beim EU-Agrarministerrat in knapp zwei Wochen will Molterer für Veränderungen im europäischen Fördersystem eintreten. Neben BSE sorgt auch der Antibiotikaskandal in der heimischen Schweinemast für zunehmende Verunsicherung der Konsumenten. Zollbeamte an den Ostgrenzen berichteten Montag, dass derzeit so viel Fleisch nach Österreich geschmuggelt werde wie selten zuvor. In sieben Wochen wurden fünf Tonnen, vorwiegend aus Ungarn, beschlagnahmt. (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe 13. Februar 2001)