Straßburg - Etwa vier Millionen Rinder dürften heuer auf Grund des Nachfragerückgangs in der EU und auf den Exportmärkten unverkäuflich sein, schätzt Agrarkommissar Franz Fischler. Dabei gehe die Annahme, dass der Inlandsverbrauch heuer um zehn Prozent zurückgehen dürfte, von einer raschen Markterholung aus. Seit Beginn der BSE-Krise ist der Preis für Rindfleisch im EU-Schnitt um etwa 27 Prozent gefallen. Sieben-Punkte-Plan Um diese Entwicklung abzufedern, hat die EU-Kommission am Dienstag als Krisenpaket einen Sieben-Punkte-Plan geschnürt. Dieser sei keine grundlegende Reform der EU-Agrarpolitik, betont Fischler. Prinzipielle Reformvorschläge will der Kommissar 2002 vorlegen. Das Krisenpaket wird bis 2003 knapp 1,5 Mrd. Euro (20,6 Mrd. S) kosten. Das Geld soll durch Umschichtungen gefunden werden, wobei Fischler vor allem bei den Exportsubventionen für Getreide noch Reserven sieht. Konkret schlägt die EU-Kommission vor, bis Jahresende für den Ankauf von Rindern im Alter von über 30 Monaten 70 Prozent beizutragen. Den Mitgliedsländern wird freigestellt, ob sie das Fleisch vernichten oder einlagern wollen. Eingelagertes Fleisch dürfte aber nicht mehr verkauft werden, denn sonst würden ja Unternehmen von Fleisch profitieren, das mit Steuergeldern gezahlt wurde. Nun sei die Kreativität der Mitgliedsländer gefordert, Absatzmöglichkeiten für das Fleisch, das von Tieren über 30 Monaten stammend nur für die Wurstverarbeitung in Frage kommt, zu finden. Außerdem sollen künftig pro Betrieb maximal 90 Rinder gefördert werden. Für einzelne Förderungen muss die Bestandsdichte von zwei auf 1,8 Tiere pro Hektar abgesenkt werden. Biobauern dürften Futterklee auf Stillegungsflächen anbauen. Verpflichtung zur Vernichtung von Rindern "frei erfunden" Heftig wandte sich Fischler gegen die Kritik, das derzeitige Ankaufsprogramm der EU für Rindfleisch führe zu Massentötungen von Rindern. Das Programm diene nur dazu, dass Bauern für ihre alten Kühe, die sie ohnehin loswerden wollten, einen marktkonformen Preis erhalten. Derzeit würden wesentlich weniger Rinder geschlachtet als ohne Krise. Diese habe einigen hundert tausend Rindern das Leben verlängert, so Fischler. Die in manchen EU-Ländern behauptete Verpflichtung zur Vernichtung von Rindern sei "frei erfunden". Österreichs Bauern würden in Briefen an ihn, Fischler, die Umsetzung des Programms fordern, sagt Fischler. Mit dem Verzicht auf die Unterstützung mache Österreich eine Politik am Rücken der Bauern. Außerdem habe Österreich im Antrag auf Gewährung einer Ausnahme sich offen gelassen, bei massiven Marktstörungen doch noch in das Fleischvernichtungsschema einzusteigen. In das Fleischvernichtungsprogramm wurden bisher 116.315 Rinder aufgekauft, teilte die EU-Kommission am Dienstag mit. Über die Hälfte der Tiere stammte aus Frankreich (62.908). Außerdem haben Belgien, Spanien, Irland, Luxemburg und Portugal Tiere zur Vernichtung aufgekauft. (APA)