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reuters/AFP/Lucy Nicholson
Was will das Weib? Für Sigmund Freud, den Altmeister der Seelenforschung, war diese Frage ein unlösbares Rätsel. Um so erstaunlicher mutet dann die Behauptung im Titel dieses Filmes an, nämlich zu wissen, "Was Frauen wollen". Doch statt um eine einigermaßen schlaue Antwort dreht sich in der Hollywood- Liebeskomödie, die Freitag in den östrreichischen Kinos anläuft, alles um Mel Gibson, der sich vom Supermacho zum Frauenversteher wandelt. Der Star gibt eine unerwartet grandiose Vorstellung als Komödiant. Story und Dialoge bleiben jedoch in unterhaltsamen Allerwelts-Klischees stecken. Wie bringt man einen selbsterkorenen Frauenhelden ohne den leisesten Anflug von Selbstzweifeln dazu, sich plötzlich in das weibliche Geschlecht hineinzuversetzen? Man lässt ihn vom Schlag treffen, hier: vom Stromschlag eines Föns in der Badewanne. Genau das passiert dem erfolgreichen Werber Nick Marshall (Gibson), der ganz genau weiß, wie er Autos, Bier oder Whisky an den Mann bringt. Doch nun sieht er sich überraschend mit einer als "uneinnehmbar" gefürchteten Frau als Chefin (Helen Hunt) konfrontiert. Nervös sitzt er nachts im Bad seines Apartments und übt im Selbstversuch, mit welchen Botschaften sich so fremde Artikel wie Seidenstrümpfe, Enthaarungswachs und Lippenstift verkaufen ließen. Das Experiment endet verhängnisvoll. Nick stürzt in die volle Wanne, der Fön hinterher. Und als der Mann aus seiner Ohnmacht erwacht, traut er weder seinen Ohren noch seinem Verstand: Er kann hören, was Frauen denken! Aus diesem hübschen Drehbucheinfall hätte ein Ernst Lubitsch in den 30er Jahren eine atemberaubend ironische Geschlechterkampf- Komödie gemacht. Doch das, was Regisseurin Nancy Meyers in "Was Frauen wollen" mit Oscar-gekrönten Darstellern bietet, kommt über puren Slapstick kaum heraus. Sie lässt die schöne, kluge Helen Hunt ("Besser geht's nicht") ziemlich im Regen stehen und baut vor allem auf die clowneske Komik Gibsons ("Braveheart"). Und der gibt dem Affen Zucker und dreht in der ersten großen Komödienrolle seines Lebens völlig ungebremst auf. Zunächst nimmt er seine neue Gabe als Fluch wahr, der seinem Selbstbild als allseits begehrter, angehimmelter "Womanizer" unschöne Kratzer verleiht. Doch dann lernt der clevere Nick schnell, sowohl privat als auch beruflich, Kapital daraus zu schlagen. Bei der hübschen Bedienung eines Coffee-Shops (Marisa Tomei) erprobt er sich als jeden Wunsch erahnender Liebhaber, die attraktive neue Vorgesetze Darcy versetzt er mit unerwartet großem Einfühlungsvermögen in die feminine Seele in Erstaunen. Nick, der Blender, klaut Darcys Ideen schneller als diese einen Satz zu Ende sprechen kann. Er zieht mit ihrem geistigen Eigentum einen großen Auftrag an Land - und macht sich dreist daran, die selbstbewusste Powerfrau zu verführen. Darcy verliert kampflos ihren Job. Zum Happy End kommt es nur, weil längst Liebe aus dem Flirt mit dem Konkurrenten geworden und Nick tatsächlich zum besseren Menschen gereift ist. (APA/dpa)