Wien - Nur eine halbe Stunde zogen sich im Sanikidse-Prozess heute, Mittwoch, die Geschworenen zur Beratung zurück: Das Urteil blieb gegenüber der ersten Verhandlung dem Strafrahmen nach unverändert: Akaki Javakhadse und George Oniani wurden zu lebenslanger Haft verurteilt, der Mitangeklagte Schukri Burtschuladse muss für 20 Jahre hinter Gitter. Die Zeit, welche die drei bereits im Gefängnis verbracht haben, wird in die Strafe eingerechnet. "Besondere Grausamkeit" In seiner Begründung hob der Vorsitzende des Schwurgerichts, Hans-Peter Januschke, die "besondere Grausamkeit" des Verbrechens hervor. Die "Schächtung eines Tieres am Fleischmarkt" sei "humaner, als die Tötung des Sanikidse erfolgt ist", so der Richter. Javakhadse billigte das Gericht auch "eine gewisse Erregung über den zwei Monate und eine Woche zuvor erfolgten Tod des Vaters" zu. Es sei jedoch Spekulation, dass der getötete David Sanikidse daran beteiligt gewesen sei. Auch sei Javakhadse in Östereich unbescholten gewesen, von einem "ordentlichen Lebenswandel" könne man aber angesichts der Tatsache, dass nach ihm in anderen Ländern gefahndet wurde, in keiner Weise sprechen. Tatbeteiligung von Burtschuladse mildernd eingestuft Bei Burtschuladse wurde die "geringfügig untergeordnete Tatbeteiligung" als mildernd eingestuft, jedoch "man darf die Tätigkeit des Burtschuladse nicht unterbewerten", so Richter Januschke. Seine Anwesenheit im Cafe Segafredo zur Tatzeit (am 11. Juli 1996, Anm.) "hatte keinen anderen Zweck, als das Opfer zu sehen und die beiden anderen zu benachrichtigen". Javakhadse und Oniani, der sich mit einer Maschinenpistole und 30 Schuss Munition sowie einem Kampfmesser in einer Tasche in unmittelbarer Nähe Javakhadses aufhielt, hätten sich bei der Tat verhalten, "wie wenn A die Schusswaffe hält und B betätigt den Abzug", erläuterte der Richter die gemeinsame Verantwortung der beiden Täter. Oniani und Burtschuladselegeten BErufung ein Zum Urteil gab Staatsanwältin Risa Schuhmeister-Schmatral keine Erklärung ab. Akaki Javakhadse erbat sich drei Tage Bedenkzeit. George Oniani legte Berufung ein, Schukri Burtschuladse meldete Nichtigkeitsbeschwerde an und will ebenfalls gegen das Urteil berufen. (APA)