Wien - Noch nicht heuer, aber vielleicht schon 2002 könnte sich die Pleitenquote in Österreich nach einer "Dekade der Insolvenz" (von 1991 bis 2000) wieder auf Normalniveau bewegen. Dies hofft der Kreditschutzverband von 1870 (KSV). KSV-Experte Hans Georg Kantner geht davon aus, dass die Insolvenzverbindlichkeiten in Prozent des BIP in den nächsten Jahren wieder auf eine "Zielmarke" von 1 Prozent sinken. Dies wären rund 20 Mrd. S Insolvenzpassiva. Im Jahr 2000 waren es noch immer 36,8 Mrd. S (2,67 Mrd. Euro) oder 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die Quote Insolvenzpassiva zu BIP war von 0,7 Prozent in den Jahren 1990 und 1991 über 1,5 Prozent (1993, 1994) nach den Rekordinsolvenzen Mitte der 90er Jahre (Konsum, Maculan) auf 2,2 bis 2,7 Prozent hochgeschnellt. 1997 bis 1999 gingen die Insolvenzpassiva wieder auf jeweils 1,4 BIP-Prozent zurück. Im Vorjahr lag diese Quote bei 1,3 Prozent. 2001 weniger Pleitenfälle erwartet Kantner sagte bei einer "Turnaround-Management"-Veranstaltung mit Insolvenzexperten am Mittwoch in Wien, dass es 2000 trotz eines rund 9prozentigen Rückgangs nach wie vor viel zu viele Insolvenzen gibt. Das vom KSV als "normal" eingeschätzte Niveau wären etwa 1 Prozent der aktiven Unternehmen - also etwas über 3.000 Insolvenzen pro Jahr. Im Vorjahr waren es in Österreich jedoch mit 5.340 Insolvenzen noch 1,7 Prozent aller Unternehmen, also "weit über dem europäischen Durchschnitt". 2001 erwartet Kantner zwar weniger Pleitenfälle mit weniger Passiva, Entwarnung könne heuer aber noch nicht gegeben werden. Einen "Schub" könnte es auch noch rund um die Euro-Bargeldumstellung und nochmals schärferen Wettbewerb geben, einige Fleischverarbeiter dürften wahrscheinlich der jetzigen Krise zum Opfer fallen. "Kapital" heute keine Mangelware mehr Wenngleich es um das Eigenapital in vielen Branchen weiter schlecht bestellt ist, sei "Kapital" heute keine Mangelware mehr. Wobei die Insolvenzexperten neben Bankkredit und Risikokapital dabei auch personelles Know-how meinen. Unternehmer müssten die Geldgeber von der Sanierungsfähigkeit und der Kraft zum Neuanfang überzeugen. Daran scheiterten viele Sanierungsversuche. Externe Spezialisten könnten hier einspringen. Norbert Landwehr, Rechtsanwalt und erfahrener Turnaround-Manager in der deutschen mittelständischen Wirtschaft, und sein Partner Peter Faulhaber konstatieren, dass freilich nicht nur "die Chemie" stimmen müsse. Externe Berater hätten meist nur wenige Wochen Zeit, um Erfolge sichtbar zu machen. Länger hielten weder Banken noch Lieferanten still, vor allem wenn sie Lunte gerochen hätten. Konträr sind noch immer die Begründungen, die gescheiterte Unternehmer und Insolvenzexperten für den Zusammenbruch einer Firma ausmachen: Während Unternehmer sich nur zu 15 Prozent der Fälle selber für das Scheitern verantwortlich sehen, zu 85 Prozent aber externe Faktoren (Marktumfeld, Konkurrenz, Rohstoffpreise, Wetter, Banken) angeben, sehen Gläubigerschützer wie der KSV dies genau umgekehrt: Ihren Erhebungen zufolge sind Unternehmer nur zu 11 Prozent Opfer widriger Umstände, zu 89 Prozent sind die Probleme mehr oder weniger hausgemacht. (APA)