Laibach - Nach Jahrzehnten seien die Erwartungen der slowenischen Minderheit mit der Annahme des Minderheitenschutzgesetzes am Mittwoch im italienischen Parlament erfüllt worden, erklärte der slowenische Außenminister Dimitrij Rupel nach der Abstimmung im italienischen Senat in Rom. Eine "neue Zeit" für die Slowenen in Italien sei damit angebrochen, sagte er. "Das, was heute im Römer Senat geschah, ist ein großes Ereignis für Slowenen beiderseits der Grenze und ein großes Ereignis für das demokratische Italien", sagte der slowenische Staatspräsident Milan Kucan. Kucan drückte die Hoffnung aus, dass die Behörden der autonomen Provinz Friaul-Julisch Venetien und des italienischen Staates dafür sorgen, dass das Gesetz auch bald in Kraft tritt. "Das Gesetz konnte auf Grund guter zwischenstaatlicher Beziehungen, durch Freunde in der italienischen Staatsführung, durch den geeinten Auftritt der Slowenen in Italien und durch das koordinierte Handeln der slowenischen Außenpolitik angenommen werden", meinte Kucan. Auch Regierungschef Janez Drnovsek drückte seine große Zufriedenheit aus. Neue Möglichkeiten für die Verwirklichung nationaler Rechte der slowenischen Minderheit seien damit geschaffen worden. Das Niveau des Minderheitenschutzes soll so angehoben werden, dass es mit der Situation der rund 3.000 Personen der italienischen Minderheit in Slowenien vergleichbar wird. Durchbruch Die Zahl der in Italien lebenden Slowenen wird von den Minderheitenorganisationen mit "rund 50.000" angegeben. Die Bemühungen um die Annahme eines umfassenden Schutzgesetzes dauern schon seit dem Ende des zweiten Weltkriegs an, in den vergangenen 20 Jahren wurde um die konkreten Bestimmungen gekämpft. Alle bisherigen Versuche scheiterten, weil sich die italienische politische Rechte, die besonders in der Provinz Friaul-Julisch Venetien starke nationalistische Züge aufweist, strikt geweigert hat, den Slowenen ihre Minderheitenrechte zu gewähren. Die parlamentarische Prozedur dauerte eineinhalb Jahre und die rechte Opposition versuchte die Gesetzesannahme zu verhindern. Die italienischen Regierungsparteien brachten ihrer Abgeordneten bei den Abstimmungen über das Gesetz schließlich unter Dach und Fach. Es war nach vorherrschender Meinung in Laibach die "letzte Gelegenheit", denn wenn bei den nächsten Parlamentswahlen die italienische Rechte, wie man erwartet, gewinnt, wäre es mit der gesetzlichen Regelung des Minderheitenschutzes wieder für längere Zeit vorbei. (APA)