Wien - Vor gut zehn Jahren waren Filmkomödien sehr beliebt, in denen die Geschlechter Körper tauschten und aus diesem vorübergehenden Aufenthalt ihre Lehren fürs Leben ziehen durften.

Was Frauen wollen, aktuelle Hollywood- Konfektionsware, inszeniert von Nancy Meyers, konfrontiert uns nun mit einer neuen Variante von Gender-Bending: In Nick Marshall (Mel Gibson), rasch als Macho alter Schule eingeführt, fährt nämlich eines Abends, als er gerade mit den unumgänglichen Versatzstücken eines reibungslosen Frauendaseins (Feinstrumpfhosen, Warmwachs-Enthaarung, Badeperlen usf.) experimentiert, der Stromschlag.

Und fortan plagt ihn ein körperliches Leiden, das er jedoch in seinem Sinn zu nutzen weiß: Nick hört, was Frauen denken. Und erkennt dies als unschätzbaren Startvorteil - beruflich wie privat. Denn wenn einer weiß, was er will, dann ist er nicht zu halten - im Gegensatz zu all den weiblichen Wesen, deren Wollen an mangelndem Durchsetzungsvermögen scheitert.

Die Frauen schneiden nämlich im Film eher schlecht ab, weil sie eigentlich nur dazu da sind, die charakterlichen Facetten des Protagonisten zu reflektieren, der natürlich letztlich doch zu moralisch gefestigter Männlichkeit zurückkehren darf.

Die interessanteste Figur im Damenreigen ist noch Gibsons Teenager-Filmtochter (Ashley Johnson), die erstaunlicherweise nicht mit einer fleischgewordenen Barbie-Puppe besetzt wurde. Die undankbarste Rolle hat Marisa Tomei als naiver One-Night-Stand. Und Helen Hunt muss sich neben dem Helden einmal mehr weit unter Wert verkaufen.

Aber es geht ohnehin weniger um die Frauen im Film als um die Frauen im Kino. Und die wollen angeblich alle Mel Gibson: Regelmäßig zum Sexsymbol gekürt, als Schauspieler in Hollywood zu Star-Status gelangt, wiewohl seine eindrucksvollsten Leistungen aus der Zeit datieren, als Gibson noch vornehmlich für australische Produktionen von Peter Weir vor der Kamera stand, bewegen sich die Gagen des Vielgewollten mittlerweile im zweistelligen Dollarmillionen-Bereich. Schön für ihn! (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 2. 2001)