Während der Kandidat des regierenden Mitte-links-Bündnisses Francesco Rutelli seit fünf Tagen mit seinem Wahl-Zug durch Italiens Mittel- und Großstädte tingelt, hat Oppositionschef Silvio Berlusconi das internationale Parkett für seinen Wahlkampfauftakt gewählt. Nach Paris und London besucht Berlusconi heute, Donnerstag, Madrid. Berlusconi will einem "österreichischen" Schicksal entgehen. Der Medienunternehmer wird auf seiner außenpolitischen Tour nicht müde, den EU-Partnern zu versichern, dass Italien im Falle eines Wahlsieges auch weiterhin eine berechenbare Politik betreiben werde. Seine Bündnispartner, die Lega Nord und die postfaschistische Alleanza Nazionale, seien Parteien, die auf dem Boden der Demokratie stünden, die allen europäischen Grundsätzen zugestimmt hätten. Die Parteiführer Umberto Bossi und Gianfranco Fini seien zu gemäßigten europäischen Politikern geworden. Der 65-jährige Medienunternehmer, mit einem Vermögen von umgerechnet fast 82 Milliarden Schilling reichster Mann des Landes, präsentiert sich als großer Staatsmann. Seine Auftritte mit Jacques Chirac oder Tony Blair, mit dem er "mehr Gemeinsamkeiten" habe als sein Kontrahent Rutelli, sollen den Wählern zeigen, dass er den Sprung in die hohe Politik geschafft hat. Eine ehrgeizig angestrebte internationale Anerkennung bleibt Berlusconis Bündnis aber verwehrt, noch vor den Wahlen sollte Alleanza Nazionale-Chef Fini offiziell Israel besuchen, der Bruch der Postfaschisten mit ihrer Vergangenheit sollte vor den Augen der Weltöffentlichkeit endgültig besiegelt, Berlusconis Bündnis legitimiert werden. Trotz massiver diplomatischer Bemühungen blieb die Einladung aus. Lega Nord Während Berlusconi Bossi und Fini im Inland hofiert, versucht er ihren Einfluss auf seiner Auslandstour herunterzuspielen. Die Lega Nord sei nicht ausschlaggebend für den Sieg seiner Koalition, alle Umfragen würden beweisen, das die Casa della libertà, sein "Haus der Freiheit", mit einem deutlichen Vorsprung von mehr als 100 Mandaten rechnen könne, die Lega werde aber maximal 40 Sitze erreichen, so Berlusconi in London. Permanent präsentiert der Medienunternehmer neue Umfrageergebnisse, die ihm einen haushohen Sieg voraussagen. Das Ziel scheint klar: Berlusconi will die zahlreichen Kleinparteien, die sich zwischen dem Rechts- und dem Linksblock angesiedelt haben, und deren Wähler noch vor der Wahl ins Boot des "sicheren Siegers" holen. Die Linke spöttelt schon, Berlusconi sei sich seines Sieges nicht mehr sicher. Schon jetzt suche er die Unterstützung der Opportunisten, die sich - wie immer schon in Rom - dem Gewinner angeschlossen hätten. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2001)