Oslo - Die erste Umfrage nach dem Sex-Skandal der oppositionellen rechtspopulistischen Fortschrittspartei (Frp) in Norwegen zeigt, dass die Partei stark an Unterstützung verliert: Der Wähleranteil der Frp ist demnach um sechs Prozentpunkte gesunken, von 23,1 Prozent in Jänner auf 17,1 Prozent. Innerhalb von einem Monat hat die Partei somit einen von vier Wählern verloren. Die in der Zeitung "Aftenposten" am Donnerstag publizierte Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Opinion AS durchgeführt. Der Vizechef der Fortschrittspartei, Terje Söviknes, hatte Anfang der Woche nach Vergewaltigungsvorwürfen einer Minderjährigen sein Amt zur Verfügung gestellt. Er soll das Mädchen während eines Parteitages sexuell missbraucht haben. Die Anhänger der Fortschrittspartei flüchten laut Umfrage nunmehr in zwei Richtungen: zur regierenden sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Ap), die jetzt bei 32,3 Prozent liegt (+4,5) und zur konservativen Partei Höyre, die in der Umfrage auf einen Anteil von 18,5 (+2,1) Prozent kommt. Der Generalsekretär der Frp, Geir Moe, zeigte sich nicht überrascht: "Wir hatten wohl mit so etwas gerechnet", sagte er zu "Aftenposten". Das Ziel der Frp bei der Parlamentswahl in September sei es, so Moe, mehr Stimmen zu erhalten als vor vier Jahren. Tatsächlich liegt die Frp auch in den jüngsten Umfragen immer noch ein paar Prozentpunkte über dem Wahlergebnis von 1997. Wenn jetzt gewählt würde, käme die Partei auf 30 Abgeordnete, um fünf mehr als sie jetzt haben. Zum ersten Mal seit vielen Monaten liegt Höyre in den Umfragen vor der Fortschrittspartei. Parteivorsitzender Jan Petersen zeigt sich gegenüber "Aftenposten" sehr zufrieden. Das Ergebnis stimme mit einem längerfristigen Trend überein, sagte er. Seit September verzeichneten die norwegischen Konservativen nach eigenen Angaben ständig Zuwächse in Umfragen. Petersen schloss nicht aus, dass Höyre auch vom Sex-Skandal der Frp profitiert. Die Zeitung "Aftenposten" rechnete in einem Kommentar sogar mit einem noch stärkeren Rückgang bei der Frp. Der charismatische Parteileiter, Carl I. Hagen, könnte allerdings mit seiner großen Popularität wieder einmal die Partei retten, schrieb das Blatt. Ohne Hagen würde man nicht von Rückgang reden, sondern von einer Katastrophe. Viele Frp-Wähler orientierten sich eher an Hagen, wie er in den Medien erscheint, als nach der Parteipolitik der Frp, meinte "Aftenposten". (APA)