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Foto: Reuters/Andrew Wong
Washington - Für die Raucher dieser Welt käme es einer Revolution gleich: der sorgenfreie Zug an einem Glimmstengel, der nicht Krebs erregend ist. Dank der Gentechnik soll dies jedoch bald Wirklichkeit werden. So lautet zumindest das Versprechen der US-Tabakfirma Vector Group. Es sei gelungen, Tabak gentechnisch so zu manipulieren, dass er nur noch verschwindend geringe Dosen Krebs erregender Stoffe enthalte, verkündete die Firma am Dienstag (Ortszeit). Zudem hätten Forscher die erste nikotinfreie Zigarette hergestellt, die künftig Rauchen zum suchtfreien Genuss mache. Anti-Raucher melden erhebliche Zweifel an dem Wunderglimmstängel an. "Die neuen Zigaretten werden genauso angezündet und geraucht und schmecken genauso gut wie normale Zigaretten", warb Vector Group. Vor allem die für das Aroma zuständigen Kohlenwasserstoffe seien derart reduziert worden, dass die Zigarette keine Krebserkrankungen verursachen dürfte. Nach den Vorstellungen des Unternehmens, das unter anderem die regulär gesundheitsschädigenden Marken "L & M" und "Chesterfield" herstellt, soll das neue Produkt noch in diesem Jahr den Tabakmarkt erobern. Utopie Experten aus dem Gegenlager sehen eine "gesunde" Zigarette allerdings als utopisch an. "Wenn sie es schaffen, die Krebs erregenden Stoffe zu reduzieren, ist das schön und gut", sagt Chris Tholkes, Chefin der US-Lungenvereinigung (ALA). Aber eine Zigarette enthalte etwa 4.000 Krebs erregende Zutaten. "Wieviele entfernen sie jetzt: drei oder 3.000?", fragt sich Tholkes. Außerdem müssten einige dieser Stoffe in jedem Fall erhalten bleiben, weil sie für das Weiterglimmen der Zigarette sorgten. Manche Stoffe entwickelten ihre schädliche Wirkung auch erst während des Rauchens. Joel Spivak ist schon aus Prinzip misstrauisch. Er wolle erst einmal die Ergebnisse unabhängiger Tests sehen, die bewiesen, dass die Zigarette keinen Krebs errege, sagt der Sprecher von Tobacco Free Kid, einer anderen Anti-Raucher-Organisation. "Angesichts all der Lügen, die uns die Tabakindustrie jahrelang über die Gesundheitsrisiken der Zigarette aufgetischt hat, ist es schwierig, ihnen jetzt zu glauben." Aus diesem Grund kann sich Tholkes auch nicht so recht eine nikotinfreie Zigarette vorstellen. Dass ausgerechnet die Tabakindustrie, die mit der Abhängigkeit der Raucher ihr Geschäft mache, suchtfreies Rauchen verspreche, sei schon "interessant". (APA)