Wien - Nach einer ersten Runde am Donnerstag Vormittag sind die Gespräche zwischen Regierung und Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) über ein neues Dienstrecht für Hochschullehrer auf nächste Woche vertagt worden. Dann würde es eine weitere "Vertiefungsrunde" geben, hieß es aus dem Bildungsministerium. Für den Vorsitzenden der Hochschullehrer-Gewerkschaft, Klaus Zelewitz, hätten beide Seiten heute vor allem bereits bekannte Argumente wiederholt. Es habe aber auch eine "positive Andeutung einer Bewegungsfähigkeit" seitens des Ministeriums gegeben. In der kommenden Woche wollen Regierung und Gewerkschaft zunächst die Grundlagen für die weiteren Gespräche klären. So habe man laut Zelewitz etwa vor, die Auffassungsunterschiede zum bisher vorliegenden Datenmaterial außer Streit zu stellen. Dabei wolle man klären, welcher Prozentsatz von Assistenten nun tatsächlich definitiv bzw. provisorisch definitiv gestellt sei und wie sich diese Gewichtung in den einzelnen Studienrichtungen darstelle. Verstärkte Flexibilisierung notwendig Als Beispiel nannte Zelewitz, dass zahlreiche auf vier Jahre befristete Assistentenstellen auf zwei Vertragsassistenten aufgeteilt seien, von denen anschließend nur der bessere bleibe. In der Statistik würden diese beiden aber nur einen Posten bekleiden. Dadurch sei die tatsächliche Zahl jener, die nicht an der Uni blieben, wesentlich höher. Als eine der wesentlichsten Forderungen betonte Zelewitz die Notwendigkeit von Behalteregelungen für die Uni-Lehrer, die sich zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Gesetzes bereits im Dienststand befinden. Aus dem Bildungsministerium hieß es, dass bei dem "konstruktiven Gespräch" einige Punkte klar gestellt worden seien. Einerseits habe die Gewerkschaft die Notwendigkeit einer verstärkten Flexibilisierung für die Chancen des wissenschaftlichen Nachwuchses eingeräumt. Andererseits sei aber auch klar geworden, dass man mit dem neuen Dienstrecht niemanden vor den Kopf stoßen wolle. Neues Dienstrecht ab Herbst Auffassungsunterschiede bestehen zwischen Regierung und Gewerkschaft auch über die Qualität des heutigen Treffens. Während man im Bildungsministerium von einer ersten Gesprächsrunde zum Informationsaustausch spricht, will die GÖD heute schon "Verhandlungen" geführt haben. Für Verhandlungen im technischen Sinne sieht man im Bildungsministerium allerdings das von Susanne Riess-Passer (F) geführte Ministerium für öffentliche Leistungen zuständig. Das neue Dienstrecht soll nach den Plänen des Bildungsministeriums ab Herbst wirksam werden, für die Übergangszeit bis zur Vollrechtsfähigkeit der Unis gelten und ein "Zupragmatisieren" aller Stellen verhindern. Dies soll durch ein vierstufiges Karrieremodell erreicht werden, wobei für die ersten drei Stufen (wissenschaftlicher Mitarbeiter, Uni-Assistent und Vertragsprofessor) nur befristete Verträge vergeben werden. Daran anschließend ist die Möglichkeit einer Uni-Professur mit einem unbefristeten Dienstverhältnis vorgesehen. Dieses Modell soll Vorbildcharakter für die nach Oktober 2002 notwendige Kollektivvertragsregelung an autonomen Universitäten haben. (APA)