Wien - Die Szene ist also die: Vorne steht Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck und beantwortet eher schlecht als recht die genau so gestellten Fragen der Bundesräte. Hinter ihm die drei Präsidumsmitglieder des Bundesrates, der mit dem Kärntner Gerd Klamt zum ersten Mal einen Freiheitlichen als Chef bekommen hat. Und links davon hat der Gaststar Platz genommen und arbeitet zunächst brav in Akten, eine Lesebrille auf der Nase. Die legt er ab, als er zum Rednerpult eines Gremiums schreitet, das seine Partei und er selbst Dutzende Male schon liebend gern abgeschafft hätten. Jetzt ist es die Bühne, auf der Jörg Haider einen Auftritt in der Rolle des besorgten Landesvaters hat. Wie Haider loslegt und was er zur Reform des Bundesstaates zu sagen hat, liegt Welten über dem Niveau, das vorher die Debatte beherrscht hat. Er spricht präzise und locker zugleich, verbindet grundsätzliche Anliegen mit aktuellen Themen, ist konkret und verliert nie sein Anliegen aus den Augen - einen "schlankeren Staat" und, wie Haider es ausdrückt, das "Ende der Proporzwirtschaft". Natürlich klingt ein wenig das Arbeits-Selbstmitleid durch, wenn Haider darüber klagt, dass die Abdeckung eines Bachverbaues von einem extra aus Wien angereisten Bundesbeamten kontrolliert werden muss. Unausgesprochener Nachsatz: Wo doch er, der Landeshauptmann, das erledigen könnte. Aber seiner Analyse, dass auf legislativem Gebiet schon deshalb Instanzen abgebaut werden müssen, weil seit dem EU-Beitritt eine weitere gesetzgebende Ebene im Spiel ist, kann nicht widersprochen werden. Ebenso wenig seiner Empfehlung, die Kompetenzparallelen von Bund und Ländern endlich in einer Entscheidungsgeraden zusammenzufassen und so den Instanzenweg zu verkürzen, etwa im Schulbereich. Es mag übertrieben sein, Kärnten noch immer als "bereits in der Monarchie vernachlässigte Habsburgerprovinz" zu betrachten: Die Forderung nach Investitionen in die Infrastruktur dieses Bundeslandes ist nach wie vor berechtigt. (kob/DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2001)