Wien - Rund zehn Jahre stand es leer, jetzt wird Roland Rainers "Böhlerhaus" am Wiener Schillerplatz zu einem Hotel umgebaut. Das elegante, derzeit etwas verstaubte und renovierungsbedürftige Bürogebäude ist das letzte prominente Baudokument der 50er Jahre in der Bundeshauptstadt, es zählt neben der Wiener Stadthalle zu den wichtigsten Projekten des renommierten Architekten. "Roland Rainer wird selbstverständlich in die Planung mit einbezogen werden", stellte Bauherrin und Donauzentrum-Vorstand Bettina Breiteneder dem STANDARD gegenüber fest. Projektarchitekt ist Denkmal- und Industriearchäologieexperte Manfred Wehdorn. Auch er macht klar: "Der Umbau erfolgt in Zusammenarbeit mit dem ursprünglichen Architekten". Das Haus mit Adresse Elisabethstrasse 12 wird tatsächlich nur als Teilstück in ein großes Hotelensemble integriert werden, das sich über den gesamten Gründerzeit-Baublock in unmittelbarer Staatsopernnähe erstrecken soll. Den Hotelbetreiber will Breiteneder noch nicht nennen, kolportiert wird der Schweizer Hotelmulti Mövenpick. Baubeginn könnte September dieses Jahres sein. Roland Rainers Böhlerhaus war zum Datum seiner Entstehung ein äußert selbstbewusstes Dokument eines neuen, modernen Architekturverständnisses und hatte mit der Metall-Glas-Fassade außen sowie der nüchtern-rationellen Raumorganisation innen Signalwirkung für die heimische Architekturszene. Das Haus steht seit Anfang der 90er Jahre unter Denkmalschutz - ein Umstand, der dem Gebäude nun zupass kommen dürfte. Roland Rainer hatte 1992 nur wenig später in einem Aufsatz festgehalten: "Wenn sich das Bundesdenkmalamt damit erfolgreich durchsetzen kann, würde es zu einer sehr wichtigen kulturellen Instanz, zu einem kulturellen Gewissen werden." Nach ersten Gesprächen mit Denkmalamtspräsident Wilhelm Rizzi ist der renommierte Baumann zuversichtlich: "Ich hab zwar nicht mehr daran geglaubt, doch es schaut so aus, als könnte jetzt tatsächlich eine sinnvolle Revitalisierung gelingen", meint Rainer. Und: "Der Entschluss ist letzten Endes vernünftig. Ich habe die Möglichkeit, alle kritischen Punkte selbst zu planen, damit trotz Umbaus der Charakter des Hauses erhalten bleibt." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 2. 2001)