Linz - Das Land Oberösterreich soll die ab Herbst fälligen Studiengebühren von 5.000 Schilling (363 Euro) pro Semester für die aus seinem Bundesland stammenden Studenten bezahlen. Diesen Vorschlag machte der oberösterreichische SPÖ-Vorsitzende, Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider, in einer Pressekonferenz am Freitag in Linz. Derzeit würden etwa 27.000 Oberösterreicher an Österreichs Universitäten studieren. Für die Übernahme der Studiengebühren durch das Land sollte es Fördergrenzen wie im Wohnbau geben. Wobei 80 Prozent aller oberösterreichischen Studenten unter diese Grenze fallen würden, damit wäre ein finanzieller Bedarf von zirka 216 Mill. S gegeben. Weil durch die Entschuldung des Landes auch Schuldendienst und Tilgung geringer würden, könnten aus diesem Geld alle Studiengebühren finanziert werden, ohne das Landesbudget einer Mehrbelastung zu unterziehen, rechnete Haider vor. Wie bei den Regelungen für Stipendien sollte die Studiengebühr nur dann vom Land übernommen werden, wenn für jedes Semester ein Studiennachweis nachweisbar sei. Ein Studium dürfe nicht am Geld scheitern, verlangte der SPÖ-Vorsitzende. Ein Drittel der österreichischen Studenten studiere neben dem Beruf oder der Kindererziehung. Bereits mehr als die Hälfte der Studenten arbeite während des Semesters, ein Großteil der anderen Hälfte zumindest zeitweilig. Am meisten auf Nebenjobs angewiesen seien Kinder aus Arbeiterfamilien. Mit Studiengebühren könnte ein Studium der Kinder wieder zu einem Privileg der Reichen und oberen Schichten werden, argumentiert Haider für eine Übernahme der Gebühren durch das Land. OÖ.AAB gegen Bezahlung durch das Land Ein "klares Nein" zu der SPÖ-Forderung, das Land sollte die Studiengebühren für die oberösterreichischen Studenten bezahlen, sagte der Landesobmann des AAB Oberösterreich, Landeshauptmannstellvertreter Franz Hiesl, am Freitag in einer Presseaussendung. Die Erträge aus Privatisierungen beziehungsweise aus dem geringeren Schuldendienst müssten für den Ausbau der Infrastruktur, zusätzliche Förderungen für Familien, für mehr Ausbildungsplätze und für bessere Unterstützung der Pendler verwendet werden. Die SPÖ versuche wie in vergangenen Zeiten Gelder mehrfach zu verteilen. Nach einer Behinderten-Milliarde fordere sie nun auch die Übernahme der Studiengebühren mit mehr als 200 Mill. S (14,5 Mill. Euro) pro Jahr und sage praktisch jedem Straßenprojekt die Dringlichkeitsstufe eins zu. Die SPÖ habe damit endgültig den Weg des Populismus beschritten und versuche verschiedene Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen, kritisierte Hiesl. (APA)