Jerusalem/Beirut - Bei der Explosion eines Sprengsatzes im Grenzgebiet zwischen Israel und dem Libanon ist am Freitag ein israelischer Soldat getötet worden. Nach israelischen Angaben beschossen libanesische Freischärler israelische Rettungskräfte kurz darauf im Bereich Har Dov mit Dutzenden von Mörsergranaten. In Beirut meldete die vom Iran gesteuerte Schiitenmiliz Hisbollah eine Kommandoaktion der "Al-Aksa-Märtyrer" im Gebiet die so genannten Shebaa-Ländereien. Dabei seien israelischer Soldat getötet und zwei weitere verletzt worden. Die libanesische Regierung hatte vergangene Woche offiziell gegen die Verletzung der von der UNO als vorläufige internationale Grenze festgelegten "blauen Linie" durch Israel protestiert. Israelisches Militär hatte Ende Jänner Gebiete bei der Ortschaft Ghajar im zentralen Grenzabschnitt, unweit eines Postens der UNO-Interimstruppen (UNIFIL), besetzt und mit Stacheldraht eingezäunt. Der UNO-Sonderbeauftragte für den Südlibanon, Staffan de Mistura, bestätigte die libanesischen Vorwürfe und sprach von "einem Element, das für die Vereinten Nationen nicht akzeptabel ist". Israel hatte sich Ende Mai nach 22-jähriger Okkupation aus der so genannten "Sicherheitszone" im Südlibanon zurückgezogen. Der Libanon beansprucht auch das Gebiet der so genannten Shebaa-Ländereien im Dreiländereck, das weiter von Israel besetzt wird, weil es nach israelischer Auffassung ursprünglich zu Syrien gehörte und deshalb erst im Rahmen eines Friedensvertrages mit Damaskus geräumt werden soll. Das israelische Militär erwartet eine gefährliche Zunahme der Spannungen an der Grenze zum Libanon. Nach Informationen der Tageszeitung "Haaretz", die sich auf hohe Armeekreise berief, hat die Hisbollah im Grenzgebiet neue Katjuscha-Raketen positioniert. Die Miliz habe Angriffspläne ausgearbeitet, die es ihr erlaubten, "innerhalb von wenigen Minuten" eine Offensive zu starten. Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah hatte am vergangenen Freitag in einer Rede in Beirut erklärt, er hoffe, dass der Wahlsieg des Likud-Führers Ariel Sharon "das Ende" des Staates Israel einleite. "Die Machtübernahme dieses Dummkopfs könnte der Anfang vom Ende des zionistischen Gebildes sein", sagte Nasrallah. "Wenn die zionistischen Aggressoren Sharon gewählt haben, damit er die Verantwortung für die nächste Etappe trägt, dann ist das für uns nur gut!" Neben dem deutschen Bundesnachrichtendienst hatte sich in den vergangenen Monaten auch Österreichs Verteidigungsminister Herbert Scheibner bemüht, einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah zu erreichen. Drei israelische Soldaten waren am 7. Oktober auf Patrouille im Dreiländereck Israel-Libanon-Syrien von der Hisbollah-Miliz verschleppt worden. Die Hisbollah verlangt insbesondere die Freilassung der Schiitenführer Scheich Abdel Karim Obeid und Mustafa Dirani. Obeid war 1989 und Dirani 1994 von israelischen Kommandos aus dem Libanon entführt worden. Die beiden Männer sitzen ohne Gerichtsverfahren in israelischen Gefängnissen. Die Hisbollah wurde 1982 nach dem israelischen Einmarsch im Libanon auf Betreiben des iranischen Revolutionsregimes von Ayatollah Khomeini gegründet. Die von Teheran gesteuerte und finanzierte Organisation strebt die Errichtung einer islamischen Republik nach iranischem Vorbild im Libanon an. Ihre Miliz verfügt über annähernd 7000 Kämpfer, kann aber gegebenenfalls weit mehr mobilisieren. Nach dem israelischen Rückzug aus dem Südlibanon im vergangenen Mai war sie triumphierend in die von der israelischen Armee und deren Hilfsmiliz SLA geräumten Ortschaften vorgerückt. Palästinensischer Beamter ermordet Ein palästinensischer Sicherheitsbeamter ist am Freitag ermordet in seinem Haus im Westjordanland aufgefunden worden. Der 33-jährige Anwar Mustafa Merhi wurde in einem Dorf bei Nablus zu Tode geprügelt, wie Augenzeugen berichteten. Aus Kreisen palästinensischer Sicherheitskräfte verlautete, der Beamte sei Opfer eines Racheakts von mit Israel kollaborierenden Palästinensern. Der Ermordete hatte Mitte Jänner an Hinrichtungen verurteilter Kollaborateure teilgenommen. Am Dienstag hatte das israelische Militär im Gaza-Streifen einen hohen Offizier der Leibgarde von Präsident Yasser Arafat getötet. Zwei Kampfhubschrauber feuerten in der Nähe des Flüchtlingslager Jabalia auf den Wagen des Oberstleutnants Massud Ayad. Das Auto brannte völlig aus. Vier weitere palästinensische Sicherheitsbeamte wurden bei dem Angriff verletzt, der sich nach offizieller israelischer Darstellung gegen einen "führenden Terroristen" gerichtet habe. Am Mittwoch kam es südlich von Tel Aviv zu einem blutigen Anschlag eines palästinensischen Autobusfahrers, der in eine Menschengruppe raste. Dabei kamen acht Israelis ums Leben. (APA/Reuters/dpa)