San Cristobal/Mexiko - Kühe gehören in San Cristobal zum Straßenbild, Hühner ebenso. Mit dem politischen Aufstieg ihres berühmtesten Sohnes ist die mexikanische Kleinstadt aber zunehmend kosmopolitischer geworden. Hier, 340 Kilometer nordwestlich von Mexiko-Stadt, ist Präsident Vicente Fox aufgewachsen. Hier entspannt er regelmäßig an freien Wochenenden. Und hier empfängt er den höchsten Staatsgast, den San Cristobal je gesehen hat: US-Präsident George W. Bush. Schon als Gouverneure haben Fox und Bush zusammengearbeitet. Nun, da sie beide an der Spitze ihres Landes stehen, wollen sie ihre politische Freundschaft ausbauen. "Es ist für die Mexikaner und andere in unsere Hemisphäre ein gutes Signal dafür, dass die beste Außenpolitik hier beginnt", begründete Bush das Ziel seiner ersten Auslandsreise seit der Amtsübernahme im Jänner. Problem illegale Grenzübertritte Beide Präsidenten haben ihren Wunschzettel bereits bekannt gegeben. In erster Linie sei das Treffen eine Gelegenheit, sich besser kennen zu lernen, erklärten sowohl Bush als auch Fox. Doch es gibt auch konkrete politische Anliegen. Bush möchte unter anderem, dass Fox Elektrizitätswerke in Mexiko baut, die auch Strom für den Westen der Vereinigten Staaten produzieren könnten. Fox will bei Bush für eine befristete Aufenthaltsgenehmigung mexikanischer Staatsbürger in den USA werben, um so das Problem illegaler Grenzübertritte in den Griff zu bekommen. Gerade dieser Punkt dürfte auch den Bewohnern von San Cristobal besonders am Herzen liegen. Hier hat fast jeder mindestens einen Verwandten, der in den USA gearbeitet hat. Bushs Besuch ist für viele ein Grund, optimistisch zu sein. Die 26-jährige Leticia Torres beispielsweise spart schon seit langem, um die 1.650 Dollar (1.815 Euro/24.977 S) zusammen zu bekommen, die sie einem Schlepper zahlen müsste, der sie in die USA bringt. Ihr Cousin überquerte im vergangenen Jahr illegal den Rio Grande und arbeitet nun in Dallas. Die Mutter von zwei Kindern hofft, dass Bush und Fox sich einigen, ein Programm auszuarbeiten, um die Einreise von Mexikanern zu legalisieren. Sie selbst müsste dann nicht mehr riskieren, von den Menschenschmugglern ausgeraubt, vergewaltigt oder gar getötet zu werden. Fox: "Wollen keine gespannte Atmosphäre" Die Menschen in San Cristobal sind stolz darauf, dass der mexikanische Präsident auch nach seinem Amtsantritt im Dezember seine Heimatstadt nicht vergessen hat. Die meisten Einwohner hier arbeiten für die Familie Fox, bauen Gemüse auf deren Feldern an oder verpacken es in den nahe gelegenen Fabriken. In Vorbereitung auf den "Gipfel der Stiefel" - eine Anspielung auf die Lieblingsschuhe der beiden Präsidenten - sind der zentrale Platz neu gestrichen, Kopfsteinpflaster-Straßen repariert und Parkanlagen fertig gestellt worden. Fox selbst stellte den mexikanischen Fernsehzuschauern am Donnerstag seinen Landsitz vor, auf dem er einen Tag später den amerikanischen Präsidenten empfangen wollte. Mit einem Mikrofon in der Hand lief er durch das kleine Wohnzimmer, wo es ein privates Gespräch mit Bush geben soll, zeigte den Kameras den großen Speisesaal, wo sich die Delegationen beider Länder versammeln, und beendete seinen Rundgang im Garten, dem Schauplatz einer Pressekonferenz. Familiär soll es zugehen beim Treffen der Staatschefs. "Das letzte, was wir hier wollen, ist eine gespannte Atmosphäre," betont Fox. (AP)