Wien - Die Sysis Interactive Simulations AG hat ein ganz spezielles Know-how: das Wissen, wie man den Internet- User dazu bringt, möglichst oft wiederzukommen. Oliver Holle, Geschäftsführer von Sysis, spricht sogar von "interaktiver Addiction", von dem suchthaften Verlangen, in eine Mailbox zu schauen oder eine Adresse immer wieder anzusurfen. Drei Elemente muss dazu eine Anwendung aufweisen, weiß Holle: Ego, Success und Sex. Also die egoistische Freude an der Aufmerksamkeit, die einem dadurch geschenkt wird, dass man - vermeintlich - persönlich angesprochen wird. Weiters der Erfolg von vielen simplen Spielen am Handy oder am PC. Dieser ist darauf zurückzuführen, dass man bei diesen Spielen durch Punktesammeln einen fiktiven Gegner schlagen und sich als Sieger fühlen kann. Und Sex als Stimulanz für fade Themen. Eigenleben Bei den Anwendungen, die die Wiener Firma entwickelt, wird versucht, diese Elemente hineinzuweben. Bestes Beispiel: Ein "Jet2web flirtboat", dessen Avatare ein Eigenleben entwickeln. Avatare sind künstliche, dreidimensionale Figuren, die man mit Eigenschaften ausstatten kann. Neu an den Sysis-Figuren ist, dass sie sich, während man selbst offline ist, weiterentwickeln und dabei andere Avatare treffen. Mit diesen erleben sie Abenteuer. Sobald man sich wieder auf der Flirtboat-Seite einloggt, wird man von seinem Avatar informiert, welche Abenteuer dieser erlebt hat. Daraufhin kann man versuchen, den Besitzer des anderen Avatars real zu kontaktieren - oder auch nicht. Die Anwendung hat Jet2web auf Anhieb fünf Mio. Pageimpressions im Monat gebracht. Holle sieht viele Anwendungen für seine lernfähigen Figuren, die sich nach den Bedürfnissen ihrer "Besitzer" weiterentwickeln. So baut die Sysis derzeit für eine britische Bank eine Software, bei der kluge Avatare Anweisungen zum Hausbauen geben. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe 17.2.2001)