San Francisco - Eine ökologische "Grenzpolizei" soll künftig die Invasion fremder Arten bremsen. Denn: Seit Beginn des Massentourismus werden immer mehr natürliche Tier- und Pflanzenlebensräume von eingeschleppten Arten aus der Balance gebracht. Zu den bekanntesten Eindringlingen gehören Zebramuscheln am Bug von Luxuslinern und Motorbooten, exotische Gräser und Blumen im Reisegepäck sowie Schlangen, die sich als blinde Passagiere im Radkasten eines Jets einschmuggeln. Nun soll dies durch eine globale Strategie gestoppt werden, die am Freitag in San Francisco vorgestellt wurde. Forscher, Politiker und Anwälte in aller Welt erarbeiteten eine Strategie, welche die Invasion fremder Arten bremsen und, wo nicht mehr aufzuhalten, ihren Schaden lindern soll. Der Umweltbiologe Harold Mooney von der Stanford Universität (Kalifornien), stellte das Papier, Global Invasive Species Programme (GSIP) genannt, auf dem weltgrößten interdisziplinären Wissenschaftskongress in San Francisco vor. Veranstalter des fünftägigen Kongresses ist die Amerikanische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (AAAS). Reisende aus Pangäa Für Ökosysteme auf Inseln sind fremde Arten der größte Feind. Sonst wird der Schaden durch Eindringlinge aus anderen Lebensräumen nur noch von der Lebensraumzerstörung durch den Menschen übertroffen. Die Lust des Menschen am Reisen stellt die Zeit laut Mooney rund 200 Millionen Jahre zurück. Damals waren die heute getrennten Landmassen noch in dem Superkontinent Pangäa miteinander verbunden. Pangäa ließ dem Austausch von Pflanzensamen und Tieren freie Bahn, sagt der Stanford-Professor. Heute werden Bakterien, Gewächse und andere Fremdlinge in Koffern und Containern mitgebracht. Eines der besonders drastischen Beispiele ist die Insel Guam im Pazifik. Sie verlor durch die Invasion der braunen Baumschlange zehn heimische Vogelarten, sechs Eidechsen- und zwei Fledermausarten. Zu mehr als einer Million Exemplare hat sich die einst eingeschleppte Schlange inzwischen vermehrt, schätzen Experten auf der Insel. Sie kriechen über Stromkabel, erzeugen ständig Stromausfälle, jagen in Hühnerställen und dringen über die Kanalisation sogar in Wohnhäuser ein. Wer den Schaden zu verantworten hat, der zahlt Das Ökosystem - und damit der Lebensunterhalt vieler Anwohner - des Victoria-Sees in Afrika litt lange unter einer eingeführten Hyazinthenart. Die so genannten "verrückten Ameisen" veränderten mit ihren Superkolonien den Regenwald der Weihnachtsinseln (Christmas Islands), und eingeschleppte Sterndisteln machen den heimischen Wüstengräsern Kaliforniens den Lebensraum strittig. Das soll in Zukunft mit einheitlichen internationalen Gesetzen für den Ex- und Import sowie mit schnellen und wirksamen Methoden im Schadensfall anders werden. Ebenso wichtig ist laut Mooney ein internationaler Fonds: "Wenn Du etwas importierst und es gerät außer Kontrolle, dann musst Du auch für den Schaden zahlen". (APA/dpa)