Seattle - Die populäre Abkürzung heißt FBI. Damit ist in diesem Fall nicht die amerikanische Bundespolizei gemeint. FBI steht in Heiratsannoncen amerikansiher Ureinwohner für "Full Blooded Indian" ("Vollblut-Indianer", um den befremdlichen Begriff wörtlich zu übersetzen). Und solche Menschen werden gesucht - sie sind selten geworden. Einige Stämme sind vom Aussterben bedroht. Aktivisten in den Reservaten wollen deshalb ein archaisches System abschaffen, das nur enge Blutsverwandte als Stammesmitglieder zulässt. Schon vor hundert Jahren wurden Stammesmitglieder nach Kategorien wie "Halbblut" oder "Vollblut" eingeteilt. Was früher eine Maßnahme der Behörde Bureau of Indian Affairs (BIA) war, ist jetzt Praxis in den Verwaltungen der 550 weitgehend eigenständigen Stämme in den USA, die von der Regierung anerkannt wurden. Die Stammbäume der amtlich erfassten "Indianer" sind oft komplizierter. Zu 165/256 authentisch ... Häufig wird offiziell ein Blut-Anteil von 17/64 oder 165/256 festgestellt. Die Stämme entscheiden jedoch nach eigenem Gutdünken, wer nach der Ermittlung der Vorfahren dann auch wirklich Stammesmitglied sein darf. Bewohner des Flathead-Reservats im Bundesstaat Montana müssen mindestens ein Viertel "Indianerblut" haben, um offiziell dazuzugehören. Die White Mountain-Apachen in Arizona verlangen sogar einen fünfzigprozentigen Anteil. Nur wenige Stämme sind mit geringeren Beträgen wie 1/16 zufrieden. Die Zahl kommt zu Stande, wenn das Mitglied mindestens einen entsprechenden Vorfahren in der Generation der Ururgroßeltern hatte. Die Klassifizierung als Stammesmitglied hatten früher viele Menschen mit entfernten Vorfahren abgelehnt. Das ist heute anders. Die Zeitung "Los Angeles Times" meldete kürzlich einen neuen Trend: Es sei "cooler, ein Indianer zu sein". Aus dem früheren Stigma sei ein Vorteil geworden, weil immer mehr Menschen die Kultur der amerikanischen Ureinwohner bewundern und dabei gerne das Elendsleben in den Reservaten übersehen. Vorteile Eine offizielle Anerkennung hat auch kleine materielle Vorteile. Wer sich bei der BIA-Behörde registrieren lässt, erhält einen Ausweis mit der Stammeszugehörigkeit. Der Ausweisbesitzer bekommt BIA-Unterstützungszahlungen, meist rund 100 Dollar pro Monat. Außerdem genießen in den USA alle Mitglieder ethnischer Minderheiten an staatlichen Universitäten eine bevorzugte Behandlung. Das garantieren die so genannten "Affirmative Action"-Gesetze (Gleichstellungsgesetze). Auch mit schlechteren Schulnoten als weiße Klassenkameraden können amerikanische Ureinwohner zur Hochschule zugelassen werden. Angst vor "Verwässerung" Traditionalisten in den Stämmen befürchten nun, dass Menschen mit überwiegend europäischen (oder auch afro-asiatischen) Vorfahren plötzlich auf ihre Rechte als angebliche Nachkommen amerikanischer Ureinwohner pochen. Konservative Stammesälteste wollen auch verhindern, dass "Außenseiter" Traditionen verwässern. Aber jüngere Stammesmitglieder sind dafür, die strikten Blutanteil-Regeln zu lockern. "Sonst werden bald nur noch so wenige von uns da sein, dass wir überhaupt nicht mehr als Stamm anerkannt werden", sagt Darryl Dupuis aus dem Flathead-Reservat. Dupuis, dessen Vorfahren aus mehreren Stämmen und aus Frankreich kommen, erhielt von den 6.000 Reservations-Bewohnern 1.000 Unterschriften für eine Resolution. Sie verlangt, dass die "Viertelblut"-Regel abgeschafft wird, nach der mindestens ein Großelternteil Stammesmitglied sein muss. Bisher hat sich im Flathead-Reservat aber nichts geändert, und das findet Dupuis besonders ärgerlich. Denn nach den jetzigen Regeln gehören seine eigenen Kinder nicht zum Stamm. Sie sind nur "11/64-Indianer". (APA/dpa/red)