Eigentlich ist Salzburg keine Stadt, sondern ein großes begehbares Bild. Derzeit häufen sich in den Salzburger Galerien Bilder, die nicht begehbar, aber dafür sehr städtisch sind. So erlebt man hier das Paradox, von der Kunstwelt der Straßen in die Realwelt der Kunst flüchten zu können. Also raus aus der Puppenstube und Cityflair betrachten! In Ulrike Reinerts U.B.R.Galerie ist es die melancholische Ödnis der Autobahndreiecke, Hinterhofgaragen und Bungalows, die Andreas Jauss zu akribisch gemalten Bildchen reiht, als wären es schmucke Postkartenmotive.

Jauss, der bei Konzeptualisten wie Ernst Caramelle und Karin Sander studiert hat, ist kein bloß nüchtern-sachlicher Abmaler von eigenen und fremden Fotos aus Magazinen, Marke kapitalistischer (Neo-)Realismus. Das Schwarz-Weiß seiner Vorlagen behält er zwar bei, aber er bricht es durch einen inspiriert flotten Pinselduktus. Graue Großstadt-Tristesse im Habitus romantischer Stimmungsmalerei, oder: Modernismus mit Gefühl.
Bergstraße 11. Tel.: (0662) 870786. Bis 24. 3.

Mondrian, De Stijl & Co glaubten das individualistische Chaos der Städte durch geometrische Klarheit bereinigen zu können. Dass ihre sauberen Raster auch als Küchenschürzenmuster durchgehen könnten, darüber hatten sich schon die Neo-Geos in den 80ern lustig gemacht. Constanze Schweiger, an der Wiener Angewandten und der Maastrichter Van-Eyck-Akademie ausgebildete Malerin, greift in der Galerie 5020 diesen nicht mehr ganz neuen Witz auf, um ihn ganz ernsthaft auf sich und ihr Lebensumfeld zu beziehen. Sie baut nach ihrer konstruktivistischen Muster-Malerei Möbel oder verwendet umgekehrt die Streifen ihrer Deckenlampe als Bildmotiv. Und gewinnt damit dem rechten Winkel sehr subjektive und persönliche Seiten ab. Folgerichtig haben ihre Leinwände nicht Nummern, sondern Vornamen von Freunden; sie heißen Susi, Robin oder Alex. Ergo: mitfühlender Modernismus.
Sigmund-Haffner-Gasse 12/1, Tel.: (0662) 848817. Bis 10. März

Glatt, unterkühlt

Am coolsten (oder sollten wir sagen: Galerienrundschausieger) ist Sigrid Kurz. Seit 1997 arbeitet sie an ISSUES, losen Heften zu "Film, Kunst, Medien und Handlungsraum". In der Galerie Eboran , die nun ausnahmsweise in einer städtischen Gegend, aber weitab von der Stadt liegt, zeigt sie Ausschnitte daraus in räumlicher Inszenierung. Das Video magazines&music z. B. dokumentiert das monotone Durchblättern von Lifestyle- und Kunstmagazinen, während sich im Hintergrund der Song "I don't wanna talk" endlos wiederholt. Das glatte, unterkühlte Zeitschriftendesign, das den auf rasche Bildreize trainierten Streif- und Blätterblick herausfordert, schafft in der Anhäufung interesselosen Wohlgefallens eine beklemmende Atmosphäre hyperästhetischer Sprachlosigkeit. Wenn Kurz dazu noch distanziert-emotionslose Fotos mit Straßenpassanten und Textzitate aus Filmen wie "Rette sich, wer kann" an die Wände hängt bzw. schreibt ("Ich habe heute keine Lust, noch Ideen zu haben"), dann hat sie mehr als ein Lebensgefühl auf den Kopf getroffen. Hier wird der Modernismus gefühlt, und zwar an seiner ganzen perfekt isolierten Oberfläche.
Ignaz-Harrer-Str. 19. Bis 4. März
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19. 2. 2001)