Die EU-Agrarpolitik als Verbrennungsprogramm von Tier und Geld: Mit sechs Milliarden Euro (82,6 Mrd. S) wird die massenhafte Rinderaufzucht gefördert, Rinder, die dann teilweise verbrannt bzw. eingelagert werden müssen, was von der EU neuerlich mit einer Milliarde Euro (13,76 Mrd. S) gestützt wird. Dazu kommen weitere Folgekosten des Rinderwahnsinns wie das Aufkaufen von Tiermehl, die Entsorgung von Rinderkadavern, die BSE-Tests etc., Millionen und Milliarden, die die Nationalstaaten zu zahlen haben. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich streiten Politiker, wer diese immense Zeche begleichen wird: Bund, Länder, Konsumenten?

Die Bürger wollen mit dem Wahnsinn der Massenproduktion und der Massenschlachtungen nichts zu tun haben. Ihre Ablehnung und Abscheu drückten sie bereits in der Konsumverweigerung aus. Nun haben sie neuerlich Widerstand geleistet. Die von Agrarkommissar Franz Fischler verkündete Notwendigkeit der Rinderverbrennungen stieß auf völliges Unverständnis. Die Menschen wissen um die Logik der Marktgesetze, doch Lebewesen sind eben höherwertige "Produkte" als Waschpulver oder Maschinen. Das Verschenken des Fleisches an Staaten mit hungernder Bevölkerung ist für viele nicht die Beruhigung des schlechten Wohlstandsgewissens, sondern der Versuch, dem ganzen Wahnsinn doch irgendeinen Sinn abzuringen.

All das, was jetzt passiert, ist lediglich Krisenbewältigung. Mit einer Systemänderung Richtung ökologischer Bewirtschaftung hat das wenig bis gar nichts zu tun. Daran ändert auch Fischlers minimale Kurskorrektur - die Rinderprämie auf maximal 90 Tiere pro Hof zu begrenzen und statt zwei nur noch 1,8 Rinder pro Hektar mit Prämien zu beglücken - nichts. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19. 2. 2001)