Wien - "Die neue Wiener Wohnbauförderung bestätigt den Trend hin zum frei finanzierten Eigentum", bestätigt Silvia Renezeder vom Bauträger SEG (Stadterneuerungs-und EigentumswohnungsgesmbH). Viele Gesellschaften würden sich durch die finanzielle Schlechterstellung der Förderung durch die Umstellung von verlorenen Zuschüssen auf rückzahlbare Darlehen die Frage stellen, ob sie sich "das antun müssten". Gemeint ist der Behörden-Parcours der kommunalen Subventionsvergabe, die immerhin Vorlaufzeiten von zwei bis drei Jahren in anspruch nehmen. Zeit- und dadurch Zinsgewinn seien bei freier Finanzierung beachtlich, bemerkt Renezeder. Auch würden die hohen Auflagen der Gemeinde, wie etwa Vergabe mittels Bauträgerwettbewerb und Prüfung der Vorhaben nach ökologischen Kriterien im Grundstücksbeirat wegfallen. In den guten Lagen, wie etwa innerhalb des Gürtels oder in den Nobelbezirken, sei der Verzicht auf die kommunale Unterstützung in der Praxis zunehmend üblich, während die Förderung vor allem dort sinnvoll sei, wo Entwicklungsgebiete an der Peripherie aufgeschlossen werden müssten. Dort sei es nach wie vor sinnvoll, Eigentum zu bauen, weil einer der Vorteile der Förderung in der anfänglich geringeren, dafür aber längeren, Belastung der meist jungen Käufer sei. Karl Wurm vom gemeinnützigen Bauträger "Neue Heimat", die auch mit freier Finanzierung arbeitet, sieht einen ökonomisch begründeten Rückzug der Förderungspolitik aus dem Eigentumswohnungsbau. Der Markt sei durch die Produktionen der vergangenen zehn Jahre gesättigt. Eine Umschichtung der Mittel in die Mietenförderung daher verständlich. Gute Lagen würden sich künftig vor allem frei finanziert verkaufen, weil mit der neuen Förderung der Punkt erreicht sei, wo beide Finanzierungssysteme sich kostenmäßig in einer ähnlichen Situation bewegen würden. Auch hat, bemerkt Wurm, der geförderte Bau von Eigentumswohnungen eine zunehmend ernste Konkurrenz durch die Mietkaufmodelle erhalten. (gw, DER STANDARD 17./18. Februar 2001)