Prag - Die angekündigte Einschaltung des amerikanischen Anwalts Ed Fagan in den Streit um das südböhmische Atomkraftwerk Temelin weckt in Tschechien zunächst keine Beunruhigung. Der Sprecher der tschechischen Staatlichen Behörde für atomare Sicherheit (SUJB), Pavel Pittermann, sagte nach Medienberichten vom Montag, für die SUJB sei nicht wichtig, wie die Beziehungen zwischen dem Konzern Westinghouse und dem Tschechischen Energiekonzern (CEZ) seien, sondern, ob Temelin sicher sei oder nicht. "In diesem Moment habe ich keine Vorstellung, wie es Herr Fagan schaffen könnte, dass Temelin nicht in Betrieb geht", meinte Pittermann. Fagan hatte am Vortag angekündigt, die Westinghouse Electric Company - die Temelin mit einem Steuer- und Kontrollsystem ausgerüstet hat und das Werk mit nuklearem Brennstoff beliefert - auffordern zu wollen, Dokumente im Zusammenhang mit der Ausrüstung des AKW offen zu legen. Wenn der Konzern innerhalb einer bestimmten Frist dem Verlangen der Temelin-Gegner nicht nachkomme, würden "andere Maßnahmen" ergriffen werden, heißt es in dem Schreiben, das Westinghouse am (heutigen) Montag per Fax zugestellt werden soll. Der US-Anwalt selbst will ebenfalls am Montag auf einer Pressekonferenz im österreichisch-tschechischen Grenzortb Wullowitz seine Strategie erläutern. Der Chef des Bundes der tschechischen Industrie und frühere CEZ- Generaldirektor Petr Karas meinte zu den jüngsten Aussagen von Fagan: "Wenn jemand über Temelin Zweifel hat, bitte. Aber dies ist eher eine bewusste Panikmache", reagierte Karas auf Aussagen Fagans hinsichtlich einer eventuellen Klage gegen Westinghouse. Karas wies weiters darauf hin, dass über die Sicherheit Temelins die SUJB sowie die in Wien ansässige Internationale Atomenergieagentur (IAEO) wachen - "und das sind höchst kompetente Institutionen." Dienstag soll in Temelin Kettenreaktion wieder eingeleitet werden Voraussichtlich am Dienstag soll in Temelin nach einer mehrwöchigen Pause wieder die Kettenreaktion eingeleitet werden. Das AKW war am 17. Jänner vorübergehend wegen Vibrationen einer Turbine abgeschaltet worden. (APA)