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Foto: APA/Holzner
Teheran - Wie Friseurinnen und Kosmetikerinnen sehen sie eher nicht aus, die meist schwarz eingehüllten Damen, die sich unter dem "Wella"-Logo in der Lobby des Teheraner Azadi Grand Hotels versammeln - ein an den alten Ostblock erinnernder, etwas verkommener Bau, der einer religiösen Stiftung gehört. Nur bei näherem Hinsehen sieht man ein paar eingefärbte Strähnen unter dem Kopftuch hervorlugen, aber bei weitem nicht alle Frauen tragen Make-up auf diesem von der deutschen Firma veranstalteten Schönheitskongress. Das Schatzkästlein der weiblichen Schönheit ist eben dem Ehemann vorbehalten, zumindest theoretisch. Eine Frau zeigt sich nur anderen Frauen und engeren männlichen Familienmitgliedern mit unbedecktem Haar, ebenfalls meist nur theoretisch. Denn die sofort nach Verlassen der Straße abgeworfenen Tschadors, unter denen dann die gewagtesten Dekollet´es und Miniröcke zum Vorschein kommen, gehören ebenfalls zur iranischen Realität. Aber dass eine Frau unverheiratet beziehungsweise in verheiratetem Zustand kinderlos sein könnte, diese Idee weht auch die "weiblichen Parlamentarierinnen" - so heißt es im Programm -, die Außenministerin Benita Ferrero-Waldner bei ihrem Besuch in Teheran aufsuchte, nicht an. Der Schutz der Mutter und der Familie ist höchste Priorität der Frauenpolitik, stolz wird betont, dass die Frauen im Iran den Spagat zwischen Arbeit und Familie schaffen, ohne dass Letztere zu kurz kommen. Auf ihre Frage wird Ferrero jedoch beschieden, dass auch Frauen, die "die schöne Erfahrung" des Kinderkriegens nicht gemacht haben, im Islam schützenswert seien. Die kinderlose Ferrero und drei kinderlose, unverheiratete österreichische Journalistinnen vernehmen dies mit Erleichterung. Man bringt viel Sympathie füreinander auf - und redet irgendwie doch aneinander vorbei. Die völlig vermummten Parlamentarierinnen - allesamt Doktorinnen - betonen, dass im laufenden Studienjahr 60 Prozent der Studienanfänger Frauen sind. Bei der angespannten, um nicht zu sagen katastrophalen Arbeitsmarktsituation für Jungakademiker werden viele der Universitätsabgängerinnen wohl nie im Arbeitsprozess, sondern gleich in der Ehe landen - was nicht heißen soll, dass es für eine Gesellschaft folgenlos ist, wie gebildet die kinderaufziehenden Mütter sind. Der Trend für Frauen, sich später, wenn die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind, beruflich zu betätigen, ist im Wachsen, aber eher nur für höhere Bildungs- beziehungsweise Sozialschichten relevant. Mit den Rückschlägen, die die Reformbewegung in letzter Zeit hinnehmen musste, sind auch diejenigen Frauen, die nach mehr Freiheit lechzen, wieder vorsichtiger geworden: Auf der Straße sieht man auch im reichen, modernen Norden von Teheran überwiegend wieder schwarze Kopftücher, die Farbe ist weitgehend verschwunden, wenn auch nicht die Haarschöpfe, die da und dort zum Vorschein kommen. (DerStandard, Print-Ausgabe, 20.2.2001)