Die Agonie der rechtspopulistischen Unabhängigen Kleinlandwirte-Partei (FKGP) unter ihrem autokratischen Chef József Torgyán steuert auf eine offene Spaltung zu. Bis zuletzt war unklar, ob und unter welchen Vorzeichen eine vom Parteipräsidium verfügte Sitzung der Parlamentsfraktion am heutigen Dienstag über die Bühne gehen wird. Jedenfalls hat das Parteipräsidium am Wochenende an die Abgeordnetengruppe den Ukas ausgegeben, dass Fraktionsführer Attila Bánk abzusetzen sowie er und zwei weitere Torgyán-Kritiker aus der Fraktion auszuschließen seien. Torgyán musste vor zehn Tagen wegen einer Korruptionsaffäre um seinen Sohn Attila als Landwirtschaftsminister zurücktreten. Seine Demontage als Führer des kleinen Koalitionspartners des regierenden konservativen Bundes Junger Demokraten (FIDESZ) läuft seitdem auf Hochtouren. Torgyan ist für Ministerpräsident Viktor Orbán zur Belastung geworden. Obwohl er bisher mit Orbán nicht brach, hat hinter den Kulissen das Tauziehen um die Kontrolle der 42-köpfigen FKGP-Fraktion längst schon begonnen, denn diese wird vom FIDESZ-geführten Kabinett zur Bewahrung der Parlamentsmehrheit benötigt. Torgyán verlor in der Fraktion gefährlich an Boden. Fraktionschef Bánk gründete mit fünf anderen Abgeordneten eine "Bürgerliche Plattform", die auf Distanz zum Parteichef ging und dessen Absicht, nach der Demission als Minister selbst den Fraktionsvorsitz zu übernehmen, vorerst durchkreuzte. Der Plan Torgyáns, seinen Vertrauensmann Géza Gyimothy als Nachfolger an der Spitze des Landwirtschaftsministeriums zu installieren, scheiterte gleichfalls. Die Partei selbst hat Torgyán - dank ihm ergebenen Parteiführungen in den Komitaten - noch unter Kontrolle. So konnte er die Präsidumsbeschlüsse vom Freitag herbeiführen. Nachdem Bánk sich geweigert hatte, selbst eine Fraktionssitzung einzuberufen, beschloss das Parteipräsidum am Montag seinen Parteiausschluss. Bánk ignoriert den Beschluss. So werden heute nur die Torgyán-treuen FKGP-Mandatare zusammentreten und vermutlich die anderen ausschließen - was wiederum von diesen nicht anerkannt würde. Insbesondere, wenn die Rumpffraktion nicht über das nötige Zweidrittelquorum für die Beschlussfassung verfügt. Die "Renegaten" behaupten jedenfalls, dass inzwischen 15 FKGP-Abgeordnete hinter ihnen stünden, das wären also ein Drittel plus einer. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2001)