Wien - Es ist der Versuch, die Debatte Kindergeld versus Karenzgeld mit Fakten anzureichern: Monika Thenner und Stefan Ohnmacht vom Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik haben im Auftrag des Wiener Frauenbüros eine Studie erstellt, die Familienpolitik in Österreich mit Deutschland, Schweden und Frankreich vergleicht. Einige Ergebnisse daraus:
  • Alle vier Länder berücksichtigen die Präferenz der Mehrheit junger Eltern, die Kleinstkinder selbst zu betreuen. Frankreich und Schweden zahlen Geld nur an Eltern, die vorher berufstätig waren (entspräche dem Karenzgeld), Deutschland zahlt Erziehungsgeld an alle Eltern - ähnlich dem in Österreich geplanten Kindergeld.

  • Die gravierendsten Unterschiede ergeben sich nach der Kleinkindphase: In Deutschland, Frankreich und Schweden besteht ein Recht auf einen Kinderbetreungsplatz - in Schweden ab dem 1. Lebensjahr des Kindes, in Deutschland ab dem dritten. Demententsprechend die Unterschiede in der Versorgung: In Österreich gibt es laut der Studie "beachtliche Engpässe" bei der Betreuung von Kleinkindern, erst ab dem 5. Lebensjahr steht für jedes Kind ein Kinderbetreuungsplatz zur Verfügung. Während in Frankreich fast 100 Prozent der Dreijährigen zumindest für einige Stunden außer Haus betreut werden, sind es in Österreich nur 42 Prozent.

  • Als Resultat daraus liegt die Erwerbsbeteiligung von Müttern deutlich unter der in Schweden und Frankreich: Während in Österreich neun Prozent aller Mütter mit Kindern unter zwei Jahren arbeiten, sind es in Schweden etwa 75 Prozent. Sind die Kinder zwischen drei und sechs Jahren, arbeiten in Österreich 66 Prozent der Mütter, in Schweden 75 Prozent. "Dieser Einschnitt", so die Studie, "setzt sich bis zum Schulalter des Kindes fort." Wiens Frauenstadträtin Renate Brauner schließt daraus: "Kinderbetreuung ist die wichtigste Regelung zur Förderung von Frauenerwerbstätigkeit."
    (eli)

    (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.02. 2001)