Wien - Die Tiroler Wasserkraftwerke AG (Tiwag), Innsbruck, die gemeinsam mit Niederösterreichs EVN und den Wiener Stadtwerken etwas mehr als die Sperrminorität an der Verbundgesellschaft hält, wird sich von ihrem knapp über 6-prozentigen Verbund-Anteil unter Umständen schon bald trennen. Über diese Beteiligung, die die Tiwag bereits vor vielen Jahren günstig zu niedrigen Kursen erworben hat und die daher erhebliche stille Reserven birgt, werde in drei Monaten entschieden, sagte Tiwag-Chef Herbert Hönlinger am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten: "Ich schließe einen Verkauf nicht aus." Dabei gehe es jedoch nicht ums Geld. Auch das Land Tirol, dem die Tiwag zu 100 Prozent gehört, habe keine begehrlichen Blicke auf die stillen Reserven geworfen. Gekauft habe man die Verbund-Papiere im Zuge der Ende der 80er Jahre erfolgten Privatisierung. Im November 1988 hatte die Republik 49 Prozent des Verbund zu 365 S je Aktie verkauft, heute notieren die Papiere knapp unter 129 Euro (1.775 S). Ursprünglich wollte man ein "aktiver Mitgestalter an der Zukunft der Verbundgesellschaft" sein, doch sei dies - wie auch die vom Verbund im Vorjahr geplante Energie Austria - ein Torso geblieben: "Den Sinn darin sehen wir derzeit nicht", so Hönlinger. Der Tiwag hätte ein Engagement bei der Energie Austria zu geringe Synergien gebracht. Und mit der - mit EVN und Wiens Stadtwerken - gemeinsamen Verbund-Sperrminorität könne man "nur verhindern", aber nichts aktiv gestalten. Verbund-Papiere erwerbe man derzeit nicht, hielt Hönlinger zu den aktuellen Gerüchten "anonymer" Verbund-Aktienkäufer fest. Energie Allianz im Visier Eine Tür offen lassen will sich der Tiwag-Chef jedoch noch für die Energie Allianz: Mit EVN und Wiens Stadtwerken hat Hönlinger zwar das Verbund-Aktienpaket syndiziert, offiziell beigetreten ist die Tiwag dem Bündnis aber bisher nicht. "Die Energie Allianz ist aber nach wie vor eine Option, die für uns interessant sein könnte", so Hönlinger. Man müsse sich primär richtig positionieren, Größe sei nicht alles. Vorhaltungen, die Tiwag sei ohnedies schon "mit den Bayern (E.ON), den Schwaben (EnBW) oder den Franzosen (EdF) verheiratet", wies Hönlinger ebenso zurück wie Behauptungen, die Tiroler hätten sich bis dato aus reinem "Separatismus" (ost-)österreichischen Stromlösungen versagt. "Entweder sehe ich den Osten als Markt oder als Feld für Kooperationen. Sehe ich ihn als Markt, dann mache ich ihn mir doch nicht zu". Grundsätzlich wolle die Tiwag in diesen interessanten Markt Ostösterreich hinein, unter Umständen mit einem Partner, also nicht allein. Keine der bisher im Inland diskutierten Allianzen hätte der Tiwag dazu eine Lösung geboten: "Wir hätten unsere wirtschaftliche Substanz gefährdet. So haben wir auch um 20 bis 30 Prozent niedrigere Erzeugungskosten. Ein Zusammenschluss hätte bedeutet, sich einem Block anzuschließen, dessen Kosten höher sind." Und für eine "Heirat" ist es dem Tiwag-Chef ohnedies noch zu früh: Bei den Bayern sei "noch nicht absehbar, wohin es geht" - in Deutschland seien zur Zeit überhaupt nur EnBW und EdF als ein konsoldierter Block sichtbar. (APA)